Tuesday, October 24, 2017
 

Spartan Race – Balla Balla im Olympiapark

spartan1Die Sonne lacht über dem Olympiapark in München und sorgt mit angenehmen Frühlingstemperaturen für einen netten Ausflug mit kurzer, gemütlicher „Trainingsstrecke“ von 11 km und einer Handvoll Hindernissen für Kurzweil. Soviel zur Theorie.

Mit der Marke „Spartan Race“ gibt die US-Hindernis Serie in München ihr Debüt in Deutschland. Natürlich melden wir uns an, wenn so etwas schon mal quasi vor der Haustüre stattfindet, selbst wenn uns die kleineren Veranstalter, oft lokale Sportvereine, prinzipiell etwas lieber sind. (Auch wenn man bei den kleineren schon mal mit Taschenlampen und Verlängerungskabel aushelfen muß, um die Nudel“party“ zu retten.) Unsere Erwartungen an die Profis sind also hoch.

Während die online-Anmeldung perfekt, aber etwas umständlich ist, baut sich das erste Hindernis bei der Abholung der Startunterlagen in Gestalt einer hundert Meter langen Schlange auf. Der Hinweis eines Läufers, daß angemeldete Teilnehmer vorne direkt zu den Tischen gehen können, rettet uns. Mit ordentlicher Beschilderung könnte man für alle ohne hellseherische Fähigkeiten das Chaos ganz einfach lichten.

spartan-outfitAber die Zeit reicht, Chief Balla und ich legen die „Team Elite“ Einsatzkleidung an. Tatsächlich gibt es immer noch leichtsinnige Teilnehmer, die ohne Kamerahelm, Schutzbrille, Splitterschutzweste und Tarnkleidung ins Rennen starten. Das wird sich noch böse rächen! An uns jedenfalls, weil wir ständig überholt werden und klarstellen müssen, daß es keine verlorene Wette ist und „Ja, wir wissen, daß man damit nicht wirklich laufen kann“.

Es geht pünktlich zum Startbereich, vor den die Spartan-Götter eine Bretterwand gestellt haben. Ich nehme die Wand wie es sich für das Team Elite gehört und verzichte im Gegensatz zu früheren Einsätzen auf die Variante „Herabfallen wie ein Stein mit Rippenbruch“. Ein erstes Glücksgefühl durchflutet meinen Körper!

DCIM101GOPRONach grob einem Kilometer ist die erste Steigung am Olympiaberg äh –hügel erreicht, die uns ausbremst. Chief Balla ist auf meiner Höhe, ich blicke skeptisch zu ihm rüber, da er gesundheitstechnisch heute nicht wirklich in Form ist. Trotzdem hängt er mich bei den ersten Bretterwänden ab, weil ich mich bei Hindernissen generell doof anstelle und ewig brauche. Da ich ein Siegertyp bin, schaffe ich es, ohne mir Knochen (insbesondere Rippen!) zu brechen. Ich schließe auf und gemeinsam stehen wir im einzigen Stau an einem Kriechhindernis, das so schmal ist, daß Wartezeit vorprogrammiert ist. Danach geht es weiter durch die Botanik, „nur Laufen“ ist kein Problem für mich, ich bleibe grob 20 m vor dem Chief, damit er mich sieht und nicht verloren geht.

spartan-faesserBeim ersten Wasserhindernis stehen wir gemeinsam vor schwimmenden Fässern, die wir sitzschiebend schwankend überwinden. Jetzt bekommen wir auch Wasser zum Trinken! Auf der Strecke gibt es ausreichend Wasserstationen und der Veranstalter weiß auch, daß jeder einen eigenen Becher möchte und sich nicht ganze Teams einen einzigen teilen. Perfekt! Davon können andere Veranstalter noch lernen. Nochmals eine Wasserdurchquerung mit einem Autoreifen, hüfthoch, also kein Problem. An Land dann ein paar kg mehr, da sich unser Tarnanzug mit Wasser vollsaugt und auch das Ausleeren der Taschen nur wenig Erleichterung bringt.

spartan-monkeyDas Hangelhindernis monkey bars erscheint vor uns, und ich fühle mich wie Napoleon vor Waterloo: zu kurz gewachsen und vor einer drohenden Niederlage. Mit Mühe erreiche ich die erste Stange, hangele noch ein paar weiter und zolle dann der Schwerkraft Tribut. Chief Balla grunzt kurz, faßt die erste Stange, hangelt in einem Rutsch durch, als würde er nie etwas anderes machen, bekommt spontan Applaus von Zuschauern, verteilt noch ein paar Autogramme und verschwindet danach am Horizont. Für mich heißt es 30 Burpees, um weiter zu kommen. Das strengt an und dauert, ist aber auch endlich überstanden. Über Kletternetze über Container (unten die Zuschauer) und nach fast gar keiner Laufstrecke ein elend langes Kriechhindernis unter Stacheldraht.

spartan-glockeErst den Hügel hoch, dann wieder runter. Chief ist schon weg. Ich hole ihn bei von einer Brücke hängenden Kletterseilen ein, die soll es hoch gehen, um eine Kuhglocke anzuschlagen. Ich habe ein gutes Gefühl! Aber nicht lange. Trotz sorgfältiger Seilauswahl schaffe ich keine 2 m und beschließe, mich nicht länger vergeblich zu verausgaben und widme mich den nächsten 30 Burpees. Chief Balla schlägt an die Glocke und rennt weg. Mittlerweile etwas erschlafft, lege ich bei diesem mörderischen Strecksprunggehopse den Schwerpunkt weder auf Kraft noch auf Ästhetik, sondern auf Mathematik. Genau 30! Auch wenn’s ewig dauert, getrickst wird nicht.

Nicht lange, dann liegen LKW-Reifen vor uns, die erst geschoben, dann gezogen werden müssen. Die Strecke des „Sprint“ und des „Super“ teilen sich, für uns geht es nochmals den Hügel hoch, inzwischen doch recht gebremst, aber konstant. Oben ein Pyramidenhindernis, auch gut machbar und wieder runter das Ganze. Die Streckenführung kreuzt sich mit dem „Sprint“, Streckenposten sind Mangelware und die Beschilderung dürftig. Einige laufen deshalb falsch, was berechtigterweise zu einigem Ärger führt.

spartan-stachelEine Schleife mit Sandsack durchs Gestrüpp, dann wieder Kriechen im Matsch. Der scheint dieses Mal niedriger zu sein, jedenfalls verhakt sich meine Splitterschutzweste ständig im Stacheldraht, was beim Fortkommen hinderlich ist, ich aber auch Angst habe, daß dieser plötzlich zurückschnalzt und nachkommende Teilnehmer verletzt. Hilfreiche Hände lösen das Problem. Chief Balla hat wieder Vorsprung und zieht Eisengewichte, ich tue es ihm später gleich.

Die Hindernisdichte setzt mir mehr als erwartet zu, aber weit dürfte es bis ins Ziel nicht mehr sein. Wasser vor mir und was aussieht wie das Oberteil eines Spionage-U-Bootes, entpuppt sich als Kamerahelm des Chief, der vor mir ist und dem das Wasser schon bis zum Halse steht. „Du läufst ja noch!“ Timekiller hat sich im Gebüsch verschanzt, um alles im Bild der Nachwelt zu erhalten. „Ja, klar, Laufen an sich ist kein Problem.“ Hat er erwartet, daß ich schon mit dem Rollator unterwegs bin? spartan-staemmeIch stürze mich in die Fluten und quergespannte Baumstämme versperren mir den Weg. „Drüber oder drunter!“ gibt die Spartanerin am Rand Anweisung. Ich frage: „Geht auch weder noch!?“ – aber sie bleibt hart. Ich entscheide mich für drüber, zum Tauchen habe ich jetzt keine Lust. Nochmals über ein Netz, dann zum Finale ins Olympiastadion. Chief Balla ist außer Sichtweite. Jetzt Sandsäcke am Flaschenzug hochziehen und langsam – laangsaaam! – wieder runter lassen. Viel kann jetzt nicht mehr kommen.

Damit habe ich mich getäuscht. Als ob ich nicht schon genügend Bretterwände überstanden habe, baut sich jetzt unversehens das höchste Exemplar des Laufes vor mir auf. Wohl an die 2,5 m hoch, bin ich mit der Wand ziemlich allein auf der Strecke. Ich hadere mit meinem Schicksal, nehme Anlauf und kann die Kante oben greifen, hänge in der Luft, aber mehr halt auch nicht.

spartan-wandIch schiele nach rechts, wo ein paar Hilfsbretter angeschraubt sind. Der spartanische Streckenposten kann leider Gedankenlesen und sagt mir nur spartanisch knapp aber in Großbuchstaben „NUR FÜR FRAUEN!!!“. Innerlich werde ich jetzt kratzbürstig, sage nichts, nehme mir aber vor, künftig die viel geforderte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mit aller Kraft voranzutreiben. Nur noch einzelne Läufer sind unterwegs. Die meisten kommen mit Anlauf drüber, kleinere Grüppchen helfen sich oder dürfen wegen ihrer Chromosomen die Hilfstritte benutzen und sind dann auch schon verschwunden. Zu diesem Zeitpunkt werde ich richtig bockig. „Dann setze ich mich halt hier hin und warte.“ Früher oder später werden sie das Hindernis ja abbauen. Endlich kommen wieder welche, ich nehme Anlauf, hänge bereits am Brett, liege mit meiner Vermutung aber falsch, daß einfach jemand schnell mein Bein packt und etwas nachhilft. Sieht es vielleicht so aus, als wolle ich hier abhängen und eine Bretterwand knutschen!? Nach einiger Zeit kommt wieder ein Grüppchen und mit klarer Ansage und bedrohlichem, angsteinflößendem Funkeln in meinen Augen, erhalte ich endlich die erhoffte Hilfe.

Ab durch die Gänge und Treppen im Stadion zum Speerwerfen, wo ich erwartungsgemäß punktgenau 50 cm neben das Ziel treffe. (Da ich schon Bälle weder fangen noch werfen kann, bin ich überglücklich, niemanden aufgespießt zu haben.) Zum dritten Mal 30 Burpees in Zeitlupe. Ein letzter Kraftakt mit Sandsack die Tribünen im Stadion mehrmals hoch und runter. Oben wartet Chief Balla, und gemeinsam waten wir durch den Schlammcontainer und den Feuerwall ins Ziel.

 spartan-ziel

War doch die „Super“-Strecke mit 11 km nicht wirklich weit, war es die Hindernisdichte mit den ganzen Hebe-, Trage- und Kletterhindernissen, die mich gefordert haben. Und die 90 Burpees. Insgesamt ein gelungener Tag mit perfektem Wetter, eine gelungene Veranstaltung mit ein paar Punkten, wo der Veranstalter noch seine Hausaufgaben machen muß.

Und Muskeln, die mir nach Tagen noch weh tun und von denen ich gar nicht wußte, daß ich sie habe.

Wie leider so oft in letzter Zeit, haben unsere Kameras zwar alles gefilmt, aber wir sind noch nicht zum Aufbereiten gekommen. Bis wir eine grössere Galerie haben kann ich aber den Bericht unseres treuen Fans timekiller empfehlen, der sich den Spartan als Besucher angetan hat und viele schöne Bilder gemacht hat. Danke dafür, und für den Zuspruch unterwegs!

 

Kommentare: 6

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  • Hallo Ihr Ballas,

    na, da wundere ich mich aber, dass Doc, an der letzten Wand so lange hängen musste bis Ihm geholfen wurde. Dachte die Hilfsbereitschaft wäre bei diesen Läufen größer.

    Grüße -timekiller-

     
     
     
    • Hi Timekiller,

      also ich war da ein bißchen allein auf weiter Flur…

      Und diejenigen, die schon mit Schmackes ankamen, wollte ich mit meinem Ansinnen nicht abbremsen und die anderen waren vielleicht etwas mit sich selbst (zu) beschäftigt.

      Grüße
      Balla Doc

       
  • Das mit den Liegestützen (burpees sind doch Liegestützen?) hab’ ich nicht ganz kapiert bzw. ist es so, dass – wenn man ein Hindernis nicht regulär bewältigen kann, man 30 Liegestützen stattdessen machen und dann weiterlaufen darf? Warum dann nicht bei der letzten Bretterwand ebenfalls?

    Diese Hangelübung jedenfalls könnte ich GAR NICHT – keine einzige Stange lang und bei der Bretterwand hätte ich – Chromosomenbrettchen hin oder her – auch null Chance. Gut, dass ich nicht balla-balla bin.

    Du und der Chief dafür umso mehr. Glückwunsch dafür!

    Und warum nochmal startet ihr in diesem merkwürdigen Militärverschnitt-Look ? (ich gestehe: als alt-möchte-gern-Öko-Überbleibsel fremdele ich damit immer, wenn ich hier reinklicke) wo man damit doch nichtmal vernünftig laufen kann …

     
     
     
    • Hi Lizzy,

      ja die Burpees sind quasi Liegestützen mit Körperganzhochspring. Hätte ich das youtube video vorher länger angeschaut, hätte ich auch vorher gewußt, daß es eben nicht nur im Liegestütz Beine vor und zurück ist…
      Bei einigen Hindernissen mußte man die ersatzweise machen, wenn man “versagt” hat. Die Anzahl wurde leider nicht immer wirklich kontrolliert.

      Das ist kein Militärverschnitt-Look!!! Wir sind das TEAM ELITE!
      Spezielle Spezialeinsätze verlangen spezielle Spezialkleidung, da kann man sich doch nicht als Sportler verkleiden! (Als Sportler verkleidet, kann’s doch jeder. ;-) Wobei ich wirklich mal gerne wissen würde, wie ich “normal” abschneide.)
      Aber Du glaubst nicht, wieviel Mitleid… ähem Ermutigung man da während des Laufes von den anderen bekommt. Zum Laufen isses sicher saudoof, aber der Spaßfaktor ist deutlich höher.

      LG
      Balla Doc

       
      • nagut, dann eben keine Militäruniform … sieht aber so aus … wobei eure extremste Verkleidung – weil total unglaubwürdig und weit weg von der Realität – ja dann ist, wenn ihr in Alltagsklamotten rumlauft. “Normal” seid ihr ja nun gar nicht – aber kostümiert könnte man fast auf euch reinfallen.

        Burpees – ich hätte mir das doch mal im Video angucken sollen. Was passiert mit denen, die auch das nicht können? Wie viele fliegen komplett raus wegen “zu lasche Typen”?

         
        • Also – aber nur unter dem Mantel der Verschwiegenheit! – es gab auch schon Läufe, wo wir uns aus Gründen der Tarnung als Sportler verkleidet und konspirativ unter’s Laufvolk gemischt haben. Krass, was!?

          Die Burpees wurden nicht wirklich gezählt, glaube auch nicht, daß überhaupt jemand komplett rausgeflogen ist.
          Allerdings haben sie die Zeitmessung ziemlich vergeigt. Unter 200 Teilnehmern im Super ohne Wertung sind definitiv auch welche, die ins Ziel sind. Insgesamt regt sich doch einiges an Unmut. Spartan muß sich halt an seiner Größe (auch in anderen Ländern), seiner Professionalität und seinem Anspruch, einer der größten Veranstalter zu sein, messen lassen.

           
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