Tuesday, October 24, 2017
 

Jenseits von Balla – total verrückt

Weltrekordlauf in Zwangsjacken!

Irre unterwegs
Mir wurden Beschwerden zugetragen, dass unsere bisher bekloppteste Aktion hier überhaupt nicht dokumentiert ist, und in der Tat, das geht nun wirklich nicht. Zumal wir davon ausgehen dabei einen Weltrekord aufgestellt zu haben!

Worum es geht? Den Münchener Faschingslauf 2012 – bei dem sich für uns unweigerlich die Frage auftat: wenn man jeden Lauf schon so läuft, als wäre Fasching, was zieht man dann Fasching an? Nachdem uns schon einige male gesagt wurde, dass wir total verrückt wären, war schnell die Idee geboren, eben als Verrückte zu laufen…

Als Archetyp des Verrückten kam uns dabei Hannibal Lecter aus dem Schweigen der Lämmer in den Sinn, wobei natürlich dabei ein wenig die Hoffnung mitschwang, dass wir uns einfach auf den Transportwagen schnallen und die 10km schieben lassen können – leider fand sich aber keiner zum Schieben. Naja… zum ohnehin schon vorhandenen orangen Overall fehlte uns “nur” noch die passende Maske und… Zwangsjacken. Eine kurze Suche auf Amazon ergab fertige Hannibalkostüme für vertretbares Geld, aber ein Kostüm von der Stange – nicht ganz unser Stil. Rückfrage mit unserem Herrenausstatter ergab, dass er in der Tat echte amerikanische Zwangsjacken aus der Psychatrie zur Verfügung stellen könnte, eine davon sogar das gleiche Fabrikat, das Lecter im Film trägt. Echte Zwangsjacken – das klang echt verrückt! Als Masken taten es dann doch die billigen von Amazon – bei denen wir jedoch noch das obligatorische Mundgitter nachrüsten mussten. Wer weiss – andernfalls hätten wir vielleicht unterwegs ‘nen Clown gefrühstückt!

Das erste technische Problem ergab sich daraus, dass Zwangsjacken nicht nur eher schwer alleine auszuziehen sind, auch anziehen kann man die nicht so wirklich selbst. Wir brauchten also einen Helfer der uns zum Rennen begleitet und in die Jacken steckt – was sagt es über die eigenen Freunde aus, wenn man da nicht lange suchen muss? Als zweites blieb die Sorge, ob man so überhaupt sinnvoll laufen kann, es musste also auf jeden Fall vorher getestet werden. Gut, ein kleiner Trainingslauf im Wald, was ist da schon dabei?

bekloppte im Wald

Die Hannibal Lecter Twins im Training

Naja, die Wanderer schauen ein bischen komisch. Ansonsten ging das überraschend gut, nur ein weiteres Problem offenbarte sich: den geliebten Garmin Forerunner kann man so weder bedienen noch sehen. Über die Jacke passte er nicht – und hätte irgendwie auch den Gesamteindruck gestört.

Also standen wir am Sonntag morgen, wie immer viel zu knapp vor dem Start, im Olympiapark und liessen uns in die Jacken schnüren. Die Garmins vorher starten – wir wollten ja wenigstens hinterher die Daten haben. Im Starterfeld wurden wir doch von einigen Mitläufern etwas schräg angeschaut. Völlig zu unrecht wie wir finden, komische Blicke hätten eher die 99% Läufer verdient, die auch zum Faschinglauf völlig unverkleidet erschienen! Immerhin war es eher kühl, andernfalls wäre es unter den dicken Baumwolljacken doch recht warm geworden. Startschuss und schon waren wir unterwegs – schon etwas ungewohnt, so ganz ohne Arme. Ein wenig haben wir am Tempo zurückgenommen, stolpern wollten wir in dem Outfit schliesslich nicht, aber es ging dann doch erstaunlich gut. Untewegs lauerte an einigen Stellen auch unser Pfleger und hielt den Irrsin foto und videografisch fest – an dieser Stelle nochmal Danke für’s Mitmachen bei dem Unfug.

Wirklich ungewohnt war für Laufuhrjunkies wie uns, nicht permanent nach Pace, Zeit, Herzfrequenz und Wettervorhersage schauen zu können. Immerhin, beim 5km Zwischenzieldurchlauf hörten wir den Stadionsprecher irgendwas von 27 Minuten sagen – deutlich besser als wir es erwartet hätten. Dann liess er sich noch über die beiden verrückten aus, die da mit “freiwilliger Selbstbeschränkung” unterwegs wären… Freiwillig? Was blieb uns denn anderes übrig?!? Zumindestens verloren wir keine Zeit am Verpflegungsstand – wie hätten wir trinken sollen? Runde zwei lief ähnlich gut, problematisch war nur der Zieleinlauf – für uns etwas ungewohnt gab es dazu eine getrennte Messmatte versteckt im Erdingerzelt, an der wir zielsicher vorbeiliefen… Also nochmal zurück und durch den dunklen Bogen. Zeitverlust dadurch wohl so 20-30 Sekunden, das Knacken der 55 Minuten Marke blieb uns dadurch verwehrt – dennoch waren wir mit dem Ergebis mehr als zufrieden!

Zieleinlauf Faschingslauf 2012

Verstecktes Ziel im Erdingerzelt

Und dannach wurde es noch besser. In der Halle gab es Würste, warme Getränke und süssen Knabberkram für alle Teilnehmer, bei der noch moderaten Startgebühr von 14 EUR ein echt guter Service, für den es sich lohnte sich wieder aus den Jacken pellen zu lassen. Einiges positives Feedback (falls man “total bescheutert” als positiv sieht) zu unserem Outfit gab es auch, und eine Läuferin meinte dass wir damit ja wohl den Kostümpreis sicher hätten. Kostümpreis?!? Dass es einen solchen geben sollte war uns bis dahin gar nicht bewusst, sonst wären wir wohl schneller geflohen, aber dann war es auch schon zu spät. Nach der Ehrung der diversen Platzierungen forderte der Moderator uns tatsächlich auf doch auch nochmal, zusammen mit einem Clownsehepaar, zur Bühne zu kommen, wo es nochmal eine Serie Blitzlichtgewitter und für jeden eine Flasche Prosecco gab.

So gesehen rundum also ein gelungenes Event, das Wetter hat mitgespielt und das Outfit besser funktioniert als erwartet. Zum regulären Balla-Balla Sortiment wird der Hannibal Lecter aber wohl nicht werden, das Verletzungsrisiko durch einen Sturz bei dem man sich nicht abfangen kann ist einfach zu hoch. Zumal wir davon ausgehen mit den gut 55 Minuten ohnehin erstmal den 10km-Zwangsjackenlauf-Weltrekord zu halten – wir haben jedenfalls im ganzen Internet keinen weiteren Bericht darüber gefunden, dass das schonmal jemand gemacht hätte. Nächstes mal rufen wir vorher Guinnes an.

Chief Balla & Balla Doc

 

Kommentare: 1

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  • Big Balla

    Tolle Aktion! – Absolut Balla – ich bin stolz auf euch Jungs!.
    Wobei es sich bei einem Faschingslauf doch nun wirklich gehört, ernsthaft kostümiert zu sein. Das ist ist ja schließlich kein Spaß – es geht um Tradition. Und da müssen persönliche Befindlichkeiten eben zurückstehen und auch mal Härten in Kauf genommen werden. Mit der Entscheidung für die Zwangsjacken habt ihr genau das getan: euch eingeschränkt, euch in die Abhängigkeit eures Pflegedienstes begeben und den streng verpackt durchgezogen. – Respekt.
    Schräge Blicke der mutlosen Verkleidungverweigerer? – Das ficht doch einen Balla nicht an! Wie verrückt muss man eigentlich sein, um auf einen Faschinglauf ohne Kostüm zu gehen? Wahrscheinlich war es nur das schlechte Faschingsgewissen, dass den Funktionaldressträgern bei eurem Anblich schamhaft ins Gesicht geschossen ist.
    Und gut, dass sich am Ende Klasse durchgesetzt hat. Glückwunsch auch zum inoffiziellen Weltrekord. Jetzt fehlt nur doch die Erklärung, wie man eigentlich eine Proseccoflasche im Hannibal-Lecter-Gewand entgegennimmt geschweigedenn an ihren Inhalt herankommt…
    LG
    euer Big Balla

     
     
     
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