Wednesday, January 16, 2019
 

BHB 2012 – härter war nur, nicht mitzulaufen!

Mein härtester und geilster Extremlauf aller Zeiten – nur leider ohne mich…

Es gibt bislang kaum Berichte über den BHB von Leuten, die nicht mitgelaufen sind, obwohl das ja wesentlich mehr sind. Krankheitsbedingt auch ich.

Hier die Zeilen eines noch immer zutiefst enttäuschten Nicht-Teilnehmers, der zudem bekennender Zyniker ist und hofft, daß das Geschreibsel, auch wenn es niemand liest, eine befreiende, geradezu therapeutische Wirkung hat, zumal im Moment auch niemand da ist, den er mit seinem frustrierten Gejammer auf den Keks gehen kann.

Eigentlich lief alles gut, das Training die Wochen und Monate vorher, selbst bei zweistelligen Minusgraden im Winter. Lange geplant und vorgefreut, die Köpfe heiß geredet, am Outfit gebastelt, Kamera gekauft und an den Einsatzhelm gebastelt.

Die Vorbereitungen für den härtesten und geilsten Extremlauf aller Zeiten steuerten auf ihren Höhepunkt zu.

Am Mittwoch vor dem BHB dann ein letztes Training gemacht, als nach 15 km plötzlich keine Kraft mehr da war und der Lauf in gemütliches Volkswandern überging. Abends zunehmend Husten, Schwäche, Schlappheit und um 38 Grad Fieber. Sicher nichts Ernstes… Nachts durchgeschwitzt und vom eigenen Husten aufgewacht, bei einer Tasse Tee die ersten Zweifel an „noch härter, noch extremer“.

Am Donnerstag keine Besserung und das klare Verbot meines Leibarztes, mitzulaufen. In diesem Zustand würde ich selbst die Strecke des Vorjahres ohne Hindernisse kaum bewältigen, von der Kälte gar nicht zu reden. Um nicht in Versuchung zu kommen („Probier’s doch wenigstens.“) nahm ich gar keine Sportsachen mit, ich war nicht sicher, ob ich nicht in letzter Minute doch den Versuch wagen würde. Ich würde die beiden Laufkumpels unnötig ausbremsen, aber dennoch kaum das Ziel erreichen. Ich versprach als zweiter Photograph wenigstens Bilder vom Lauf zu machen. Meine Stimmung war bereits jetzt jenseits von gut und böse.

Wir kamen an, um die Unterlagen für den härtesten und geilsten Extremlauf abzuholen. „Vielleicht ist ja wenigstens ein Müsliriegel für mich drin, dann hätte es sich ja voll gelohnt“ denkt der Zyniker in mir.

Das Mädel gibt uns einen flachen Umschlag und wünscht „Viel Spaß!“

Den hab ich jetzt schon, laufe innerlich gelb an wie eine Zitrone, denke „So dünne Müsliriegel gibt es gar nicht“ und huste wild in der Gegend rum.

Am Lauftag gebe ich mich äußerlich unbeteiligt, innerlich koche ich vor Enttäuschung und Wut. Ich begleite die beiden Ballas, es gibt viel Spaß beim Anziehen des ELITE-Anzuges, viel „Hallo“ mit den anderen Läufern, alle finden alles hammergeil und freuen sich auf den härtesten und geilsten… (Ihr wißt schon.) und ich werde noch mit Patches „Krank im Einsatz“ ausstaffiert, was meine Stimmung aber nur im Sekundenbereich aufhellen kann. Alles freut sich. Außer mir.

Ich hoffe darauf, schnell den Ort heiterer Vorbereitung zu verlassen, kämpfe mich durch mein Hindernis Nr. 1, das Gestrüpp am alten Schwimmbad, und erreiche das Lauer Jump Hindernis, wo nach kurzer Zeit eine bunte Schar glücklicher Menschen den härtesten und … beginnen. Ich gönne es jedem, wäre aber halt gerne selbst dabei. Schnell die Bilder, dann weiter, um die Ballas an einem späteren Punkt wieder zu treffen.

Ich erreiche die tief hängende Hängebrücke über die Lauer, die so tief hängt, wie meine Stimmung. Eine kleine Abkürzung und ich schieße die nächsten Bilder an den Schlammlöchern. Von „hammergeil“ bis „ist das eine Sche…“ brüllt eine tobende Menge, bevor sie einzeln zur Freude der Zuschauer im Schlamm versinkt. Ich denke an meinen Spaß im vergangenen Jahr, aber dieses Mal kann ich halt nicht mitspielen. Hoffentlich wird es bald Abend.

Ich huste zurück zum Auto, fahre nach Reichenbach und mache einen kurzen Sprint zur Stiefelwaschanlage, fühle mich etwas fiebrig und mir ist bewußt, daß auch der Versuch teilzunehmen, in meinem Zustand Blödsinn gewesen wäre.

Ich warte auf die zwei Ballas, höre die ersten Berichte vom Loch Ness und mir schwant, daß es bei künftigen BHB diese Hindernisse so kaum mehr geben wird. Die Lauer wird dann trockengelegt und Loch Ness beheizt. Tja, den härtesten und geilsten… hab ich wohl verpaßt.

Obwohl ich in pixeltarn gekleidet eigentlich unsichtbar sein müßte, brüllt es plötzlich nach Hilfe, ein Läufer war beim Abstieg in die Rinne umgeknickt, man hält mich wohl für einen Streckenposten. Kurz das Bein untersucht, Hilfe (der Chef himself)  kommt schnell und transportiert den Läufer weg. Schnell noch Bilder der Läufer, dann zurück zum Parkplatz und hoch auf den Michelsberg. Ich wäre es lieber mit den anderen hoch gelaufen… Noch kurz die Bilder an der Strecke, dann zurück in die Arena.

 

Hier kommen ständig welche ins Ziel, abgekämpft, leichtfüßig, lächelnd, müde, zitternd, aber alle zufrieden, ein echter Braveheart zu sein. Schließlich war es der härteste und geilste…

Über den Balla Balla Geheimdienst bekomme ich Meldung über den Standort unserer beiden Läufer und bin nicht erstaunt, daß sie noch einen größeren Abschnitt vor sich haben. Ich warte und beobachte das Treiben.

Bald müssen sie ja ins Ziel kommen, ich plane den Zieleinlauf zu photographieren, davon wollen sie ganz bestimmt Bilder. Das letzte Hindernis muß ich wohl auslassen, so schnell kann ich durch die gutgelaunte Menschenmenge nicht zurück in die Arena. Der Geheimdienst meldet sich „Wir haben noch ein paar hundert Meter, wo bist du?“ „Im Stadion.“ „Warum bist Du nicht an der EventWall?“ Gnaa. Ich laufe rüber, es reicht noch für Bilder und kann sie beim Einlauf wenigstens noch von oben ins Bild nehmen.

Im Ziel! Verdiente, abgekämpfte, aber stolze Bravehearter, echte Helden!

Ich halte mich etwas im Hintergrund und versuche mit meiner Laune niemanden auf die Nerven zu gehen, was wohl nicht recht gelingt. Zuzuschauen wie 2500 Läufer einen Tag lang ihren Spaß haben, aber selbst nicht teilnehmen zu können, hat seine Spuren hinterlassen. Von allen Seiten schallt es „hammergeil, klasse, die Hölle“ und was auch immer. In der Zwischenzeit kann ich schon von den Lippen lesen: „Das…!“  Ganz Gemeine schicken mir wortlos Gedankenstrahlen direkt ins Gehirn: „Das war der härteste, und geilste Extremlauf aller Zeiten!“

Ja, ich hab’s kapiert. Ich will nur noch weg von hier.

 

Immerhin war es die einzig richtige Entscheidung, krankheitsbedingt nicht mitzulaufen. Und: es nicht einmal zu versuchen.

Auch wer balla balla ist, darf auch mal vernünftig sein. Einen Extremlauf dieser Art macht man nur, wenn man gesund ist und sich fit fühlt.

Aber nur zuschauen zu können, wie 2500 Läufer plus Zuschauer einen Tag lang ihren Spaß haben, obwohl ich mich selbst riesig darauf gefreut habe, mitzukämpfen, werde ich kein zweites Mal. Das übersteigt meine Grenzen.

Inzwischen habe ich die nagelneue und unbenutzte Starnummer mit einer gewissen Genugtuung im Schredder entsorgt und es bleibt, die zahlreichen Berichte im Netz zu lesen.

Es soll ja der härteste und geilste Extremlauf aller Zeiten gewesen sein. – Nur halt ohne mich.

Ich hoffe auf nächstes Jahr…

Balla Doc

 

Kommentare: 4

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  • xela

    Hallo Doc Balla,

    das ist ja echt eine Leistung, ich bin ja ganz sprachlos!

    nun fehlt noch ein Bericht wie denn die Wochen nach dem Lauf für dich wahren.

    LG
    xela

     
     
     
    • Hi,

      ja klar, ist ja jetzt Vergangenheit und auch schon ein paar Wochen vergangen. Hab die starken Medikamente und und einige psychiatrische Sitzungen 😉 😉 hinter mir.
      Wenigstens kann man jetzt im web wieder auf die einschlägigen Seiten, ohne daß man überall lesen muß, daß es „Der härteste und geilste…“ war.
      Und intensives Training (ohne Schlamm und Hindernisse) für das nächste Projekt lenkt ja auch ab.

      LG
      Balla Doc

       
  • Harri

    Hallo Doc Balla,
    Kopf hoch, manchmal läuft’s halt nicht!
    Du hast drauf trainiert, und bist krank geworden – so what!
    Ich bin sicher Du hättest das ebenfalls geschafft. Ich habe euch schon beim
    Motormanrun 2011 gesehen – bei 30°C im Elite Kampfanzug(!!!) und habe die anderen beiden Balla-Balla Kämpfer beim BHB begleitet.
    Das Leben ist immer wieder mal hart – Du wirst schon noch auf Deine Kosten kommen ;o)
    Grüße, Harri #1507

     
     
     
  • Big Balla

    Doc Balla,
    du bist der härteste Extrem-Nicht-Können-aber-Wollenläufer dieses Battles!
    Wärst du nicht mit dabei gewesen, wer hätte dann unsere Moral hochgehalten, es trotz aller Widrigkeiten noch innerhalb des Zeitlimits ins Ziel zu schaffen. Du hast deine Stimmung geopfert, um unsere Stimmung zu beflügeln, deine Enttäuschung verdrückt, um unsere gemeinsame Sache nicht zu gefährden und sie für die Nachwelt mit Fotos zu dokumentieren. Du hast dich für uns und für Balla geopfert – und damit alle Ideale, die wir teilen hochgehalten: Tatkraft, Tapferkeit und Teamplay.
    Während wir durch die Münnerstädter Hölle liefen, bist du – für uns – durch die eigene Hölle gegangen – und tust es noch! Man muss wirklich total Balla Balla sein, um so eine Heldentat für seine Freunde zu vollbringen !!!
    Deshalb bist du mein persönlicher Held dieses Tages, dem ich nur zwei Worte immer wieder zurufen kann:
    RESPEKT! und DANKE!

     
     
     
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