Thursday, June 30, 2016
 

Jahresrückblick 2014

Lange haben wir nichts von uns hören lassen, irgendwie waren wir letztes Jahr zu balla zum Schreiben vor lauter Laufen. Das hat uns selber sehr geärgert und soll irgendwann wieder besser werden!

Damit es dennoch nicht völlig in der Versenkung verschwindet, hier ein kleiner Überblick über unsere Balla-Aktivitäten vor unserer Schreibpause…

l-urbanNach dem Spartan in München, den wir nur zu zweit absolviert hatten, ging es am 12. Juli mal wieder in voller Balla-Teamstärke zum Urbanian Run in Nürnberg. Mit 10km in 2 Runden (man hätte auch nur eine laufen können) ein eher kurzer Lauf, da mussten wir natürlich Outfitmässig kompensieren und liefen in voller Feuerwehruniform mit Überhose, Überjacke und Helm auf. Da hätten die zu übersteigenden Autos auch brennen dürfen! In der zweiten Runde setzte uns der sonnige Tag dann durchaus einigermassen zu, und auf der Zielgraden mussten wir dann deutlich Tempo rausnehmen, bis wir wieder zu dritt zusammen waren. Aber der Teamgeist ging vor, so dass wir erst vollständig gemeinsam die Ziellinie überschritten, dannach war erstmal hinsetzen angesagt und bei Big Balla kam es sogar zu einem kleinen Blackout – die Balla-Grenze war erreicht. Ich bin nicht sicher, ob die zu Hilfe eilenden Sanitäter Bewunderung oder blankes Entsetzen für unsere Outfits übrig hatten, aber das nächste Mal sollten wir den Wetterbericht wohl vor der Kleiderauswahl lesen…

l-spartAls nächstes habe ich Ende Juli dann völlig untypisch alleine in Kanada die “Spartan Trifecta” vervollständigt, und an einem Wochenende den “Super” (12km, 900 Höhenmeter) und “Beast” (18km, 1200 Höhenmeter) gefinished. Definitiv völlig balla-balla. Ich hatte eigentlich erwartet, dass das durchaus einige an so einem Wochenende machen, aber als ich das bei der Startunterlagen Abholung erwähnte, wurde ich angeschaut wie ein Auto. Nach dem ersten Tag wusste ich dann auch warum: der an einem Skihang stattfindende Lauf war mit der Strecke in München nicht im entferntesten vergleichbar, es war mehr Hindernisbergsteigen als ein Hindernisrennen. Am Sonntag war dann definitiv die Luft raus, grob die Hälfte der “Aufgaben”-Hindernisse (Hangeln, Speerwerfen etc.) habe ich nicht mehr geschafft, Spartan-Typisch entsprechend viele Burpes gemacht. Irgendwann nach grob 7 Stunden war dann das Ziel erreicht: Trifecta! Aber ein Spasslauf war das nicht mehr. Immerhin: der letzte kam nach ca. 12 Stunden ins Ziel, ich musste also keine Angst haben, dass sie mir unter den Füssen die Strecke abbauen.

l-ratsZu zweit mit Balla Doc ging es dann im August zum Weissenburger Lauf der Rats-Runners Serie. Wieder als zwei Runden ausgelegt (irgendwann müssen wir uns abgewöhnen, grundsätzlich die längste angebotene Distanz zu laufen, glaube ich) ein schöner Parcours über einen Berg und dann durch die Innenstadt. Dort gab es die aufwändigsten Hinderniss und meisten Zuschauer, eine gute Kombination, auch wenn in Runde zwei das Lächeln für die Kameras nicht mehr ganz so leicht fiel. Outfitmässig hatten wir aus Nürnberg gelernt und zur leichten Gefängniskluft gegriffen, die entsprechend mit schweren Ketten ergänzt, eine gute Motivation für schnelles Vorankommen lieferte. Immerhin, die Polizei hat uns nicht erwischt und am Ende gab es sogar noch einen kleinen Pokal als Kostümpreis, was will man mehr? Gut, einen besseren Platz in der Wertung vielleicht, es waren dann doch deutlich mehr vor als nach uns – ein typisches Problem wenn ein und zwei Runden angeboten werden: Leute unseres Leistungsniveaus, die aber nicht total balla-balla sind, sind dann eben vernünftig und laufen nur eine Runde. Psychisch aufbauend: unsere Zeit der ersten Runde hätte in der Einzelrundenwertung für Platz 25 von 150 gereicht, und die haben dann keine zweite mehr drangehängt. Man muss sich ein Ergebnis nur schönreden können… Etwas verwirrend bei den Rats Runner ist die Klasseneinteilung (über 40, unter 40, Teams, Unter 18, Männer, Frauen etc.), eine Gesamtergebnisliste oder wenigstens nur nach Geschlechtern gibt es nicht.

l-mmAnfang September ging es dann zu einem alten Bekannten, dem Motorman Run in Neuenstadt. Hier hatten wir schon 2011 bei der Premiere als schwer gepanzertes TEAM ELITE für Aufsehen gesorgt, Zeit sich mal wieder blicken zu lassen. Die in zwei Runden zu laufende Strecke geht zum Teil durch die Stadt, wo auffällige Outfits bei den Zuschauern immer für Freude sorgen, in der zweiten Runde hatten wir sogar schon ein paar Fans. Das Wetter dieses Jahr meinte es deutlich besser mit uns als die Höllensonne der Premiere, die Doppelrundendistanz mit den teilweis schon fordernden Hindernissen ist aber definitiv kein Spaziergang! Das Angsthindernis des Laufes war schon vor 3 Jahren die extrem hohe Holzwand, dieses Jahr hatte der Veranstalter aber noch zwei machbarere Varianten daneben gepackt, denn wer nicht mehr ganz bei Kräften ist, kann von der hohen durchaus böse runterfallen, es ist wohl die höchste ihrer Art bei derartigen Events.

l-terraDer letzte grosse Lauf des Jahres war dann der Runterra Ende November bei Nürnberg, leider kollidierend mit dem Cross Deluxe / Strongest Firefighter, so dass wir dort unseren Ehrenpreis als letzte Bescheuertste im Ziel nicht verteidigen konnten. Runterra ist der “echte” Nachfolger des Wolfsman Run, der am Originalgelände und von den Originalorganisatoren des Wolfsman veranstaltet wird. Als Premierenteilnehmer des Wolfsman war eine Teilnahme damit natürlich Pflicht, und wir liefen wieder im vollen Dreierteam auf. Natürlich nahmen wir wieder die drei Runden Maximaldistanz, um auch wirklich den beworbenen “Lauf mit den meisten Hindernissen” zu erhalten. Die Highlights der Strecke waren vergleichbar mit denen des ersten Wolfsman, am anstrengensten natürlich wieder der Teil im Motocrossgelände wo Hindernisse, Bachläufe und Schlammberge sich gefühlt endlos aneinanderreihen. Definitiv eine gelungene Premiere, mit anschliessender Party im Zelt, auf der wir auch viele Mitglieder des Teams Muddy Fox wiedertrafen, mit dem wir in den 2015er Tough Guy starten werden.

l-bzm“Normale” Läufe gab es natürlich auch ein paar, ein paar Sport Scheck Stadtläufe, Winterlaufserien, München Marathon und sowas. Letzterer als Kompensation, da ich als Chief of Executive Timenehming des von mir vor zwei Jahren eigentlich nur als bescheuerten Spasslauf erfundenen Bestzeitmarathons zur Zeitumstellung diesmal nicht selber teilnehmen konnte. Wie war das passiert? Ich weiss es auch nicht, aber zwei Jahre, nach dem wir zu siebt durch den Schnee des Ostparks stapften, steht da plötzlich ein Startbogen, eine grosse leuchtende Uhr, extra aufgestellte Dixies und eine Reihe Pavillions im Ostpark, und volle 100 Läufer stehen bereit, um punkt Mitternacht in das Experiment Zeitsprung zu starten. Natürlich mit offizieller Genehmigung der Stadt München, bereitstehendem Rettungswagen, einer (fast) nach den Richtlinien des DLV vermessenen Strecke und eingeschaltetem Flutlicht des Theatrons. Unser Zeitsprungphilosoph Timekiller und Running Twin Henrik haben das Unglaubliche möglich gemacht, und zusammen mit mir und über zehn freiwilligen Helfern ein dermassen Balla Balla Event in den Ostpark gestellt, dass wir uns anhören mussten, das würde ja wie ein “echter” Lauf wirken – was haben wir falsch gemacht? Die strahlenden Gesichter der Finisher konnten es uns nicht verraten, und so wird es den BZM 2015 wieder geben, wo genau in München ist noch zu klären, aber die Zeit steht schon fest. Und dass man ziemlich Balla sein muss, da am 24.10. in die Nacht zu einem Marathon zu starten.

Zum Jahresabschluss habe ich dann noch kurz versucht, im Knastoutfit die Balla-Balla Idee beim Hamburger Sylvesterlauf hochzuhalten. Aber wie ich letztes Jahr schon feststellte, ist dort die Verkleidungsquote höher als bei vielen Faschingsläufen, dort echt als Balla aufzufallen, ist nicht so einfach. Immerhin: mal wieder ein Kostümpreis, der dort aber (sehr vernünftig, es geht ja um den Spass) an viele verliehen wird, die in originalen Outfits auflaufen. Um dennoch verrückt zu bleiben, habe ich punkt Mitternacht dann noch beim “laufen zu ungewöhnlichen Zeiten” beim Alsterrunning die erste Runde des Jahres gedreht. Normalerweise ein normaler Lauf rund um die Aussenalster, aber punkt Mitternacht ein echter Hindernislauf durch Pulks von feiernden Betrunkenen, die mit Raketen nach einem schiessen. Ich wählte daher einen feuerfesten Nomex Overall und es reichte immerhin noch für Platz zwei in der Gesamtwertung.

Und nun? Guter Vorsatz für’s neue Jahr (neben dem üblichen Schmonsens wie Abnehmen, Sport treiben, Bestzeiten verbessern und so): wieder mehr hier schreiben, und vor allem auch unsere Bildergalerie wieder anständig pflegen. Wir schleppen bei jedem Lauf 3-7 Kameras mit die Terabyteweise Daten ansammeln, kommen aber dann nicht dazu Sinnvolles auszuwählen und zu veröffentlichen, was wirklich schade ist. Mal sehen, ob wir das wieder besser schaffen!

Also, auf zum Tough Guy. Auch wenn die Vorzeichen bei mir eher schlecht stehen, das Knie zickt rum – so müssen Balla Doc und Big Balla die virtuelle Fahne hochhalten, wird schon schiefgehen, der Death Warrant ist schon unterschrieben!

 

Spartan Race – Balla Balla im Olympiapark

spartan1Die Sonne lacht über dem Olympiapark in München und sorgt mit angenehmen Frühlingstemperaturen für einen netten Ausflug mit kurzer, gemütlicher „Trainingsstrecke“ von 11 km und einer Handvoll Hindernissen für Kurzweil. Soviel zur Theorie.

Mit der Marke „Spartan Race“ gibt die US-Hindernis Serie in München ihr Debüt in Deutschland. Natürlich melden wir uns an, wenn so etwas schon mal quasi vor der Haustüre stattfindet, selbst wenn uns die kleineren Veranstalter, oft lokale Sportvereine, prinzipiell etwas lieber sind. (Auch wenn man bei den kleineren schon mal mit Taschenlampen und Verlängerungskabel aushelfen muß, um die Nudel“party“ zu retten.) Unsere Erwartungen an die Profis sind also hoch.

Während die online-Anmeldung perfekt, aber etwas umständlich ist, baut sich das erste Hindernis bei der Abholung der Startunterlagen in Gestalt einer hundert Meter langen Schlange auf. Der Hinweis eines Läufers, daß angemeldete Teilnehmer vorne direkt zu den Tischen gehen können, rettet uns. Mit ordentlicher Beschilderung könnte man für alle ohne hellseherische Fähigkeiten das Chaos ganz einfach lichten.

spartan-outfitAber die Zeit reicht, Chief Balla und ich legen die „Team Elite“ Einsatzkleidung an. Tatsächlich gibt es immer noch leichtsinnige Teilnehmer, die ohne Kamerahelm, Schutzbrille, Splitterschutzweste und Tarnkleidung ins Rennen starten. Das wird sich noch böse rächen! An uns jedenfalls, weil wir ständig überholt werden und klarstellen müssen, daß es keine verlorene Wette ist und „Ja, wir wissen, daß man damit nicht wirklich laufen kann“.

Es geht pünktlich zum Startbereich, vor den die Spartan-Götter eine Bretterwand gestellt haben. Ich nehme die Wand wie es sich für das Team Elite gehört und verzichte im Gegensatz zu früheren Einsätzen auf die Variante „Herabfallen wie ein Stein mit Rippenbruch“. Ein erstes Glücksgefühl durchflutet meinen Körper!

DCIM101GOPRONach grob einem Kilometer ist die erste Steigung am Olympiaberg äh –hügel erreicht, die uns ausbremst. Chief Balla ist auf meiner Höhe, ich blicke skeptisch zu ihm rüber, da er gesundheitstechnisch heute nicht wirklich in Form ist. Trotzdem hängt er mich bei den ersten Bretterwänden ab, weil ich mich bei Hindernissen generell doof anstelle und ewig brauche. Da ich ein Siegertyp bin, schaffe ich es, ohne mir Knochen (insbesondere Rippen!) zu brechen. Ich schließe auf und gemeinsam stehen wir im einzigen Stau an einem Kriechhindernis, das so schmal ist, daß Wartezeit vorprogrammiert ist. Danach geht es weiter durch die Botanik, „nur Laufen“ ist kein Problem für mich, ich bleibe grob 20 m vor dem Chief, damit er mich sieht und nicht verloren geht.

spartan-faesserBeim ersten Wasserhindernis stehen wir gemeinsam vor schwimmenden Fässern, die wir sitzschiebend schwankend überwinden. Jetzt bekommen wir auch Wasser zum Trinken! Auf der Strecke gibt es ausreichend Wasserstationen und der Veranstalter weiß auch, daß jeder einen eigenen Becher möchte und sich nicht ganze Teams einen einzigen teilen. Perfekt! Davon können andere Veranstalter noch lernen. Nochmals eine Wasserdurchquerung mit einem Autoreifen, hüfthoch, also kein Problem. An Land dann ein paar kg mehr, da sich unser Tarnanzug mit Wasser vollsaugt und auch das Ausleeren der Taschen nur wenig Erleichterung bringt.

spartan-monkeyDas Hangelhindernis monkey bars erscheint vor uns, und ich fühle mich wie Napoleon vor Waterloo: zu kurz gewachsen und vor einer drohenden Niederlage. Mit Mühe erreiche ich die erste Stange, hangele noch ein paar weiter und zolle dann der Schwerkraft Tribut. Chief Balla grunzt kurz, faßt die erste Stange, hangelt in einem Rutsch durch, als würde er nie etwas anderes machen, bekommt spontan Applaus von Zuschauern, verteilt noch ein paar Autogramme und verschwindet danach am Horizont. Für mich heißt es 30 Burpees, um weiter zu kommen. Das strengt an und dauert, ist aber auch endlich überstanden. Über Kletternetze über Container (unten die Zuschauer) und nach fast gar keiner Laufstrecke ein elend langes Kriechhindernis unter Stacheldraht.

spartan-glockeErst den Hügel hoch, dann wieder runter. Chief ist schon weg. Ich hole ihn bei von einer Brücke hängenden Kletterseilen ein, die soll es hoch gehen, um eine Kuhglocke anzuschlagen. Ich habe ein gutes Gefühl! Aber nicht lange. Trotz sorgfältiger Seilauswahl schaffe ich keine 2 m und beschließe, mich nicht länger vergeblich zu verausgaben und widme mich den nächsten 30 Burpees. Chief Balla schlägt an die Glocke und rennt weg. Mittlerweile etwas erschlafft, lege ich bei diesem mörderischen Strecksprunggehopse den Schwerpunkt weder auf Kraft noch auf Ästhetik, sondern auf Mathematik. Genau 30! Auch wenn’s ewig dauert, getrickst wird nicht.

Nicht lange, dann liegen LKW-Reifen vor uns, die erst geschoben, dann gezogen werden müssen. Die Strecke des „Sprint“ und des „Super“ teilen sich, für uns geht es nochmals den Hügel hoch, inzwischen doch recht gebremst, aber konstant. Oben ein Pyramidenhindernis, auch gut machbar und wieder runter das Ganze. Die Streckenführung kreuzt sich mit dem „Sprint“, Streckenposten sind Mangelware und die Beschilderung dürftig. Einige laufen deshalb falsch, was berechtigterweise zu einigem Ärger führt.

spartan-stachelEine Schleife mit Sandsack durchs Gestrüpp, dann wieder Kriechen im Matsch. Der scheint dieses Mal niedriger zu sein, jedenfalls verhakt sich meine Splitterschutzweste ständig im Stacheldraht, was beim Fortkommen hinderlich ist, ich aber auch Angst habe, daß dieser plötzlich zurückschnalzt und nachkommende Teilnehmer verletzt. Hilfreiche Hände lösen das Problem. Chief Balla hat wieder Vorsprung und zieht Eisengewichte, ich tue es ihm später gleich.

Die Hindernisdichte setzt mir mehr als erwartet zu, aber weit dürfte es bis ins Ziel nicht mehr sein. Wasser vor mir und was aussieht wie das Oberteil eines Spionage-U-Bootes, entpuppt sich als Kamerahelm des Chief, der vor mir ist und dem das Wasser schon bis zum Halse steht. „Du läufst ja noch!“ Timekiller hat sich im Gebüsch verschanzt, um alles im Bild der Nachwelt zu erhalten. „Ja, klar, Laufen an sich ist kein Problem.“ Hat er erwartet, daß ich schon mit dem Rollator unterwegs bin? spartan-staemmeIch stürze mich in die Fluten und quergespannte Baumstämme versperren mir den Weg. „Drüber oder drunter!“ gibt die Spartanerin am Rand Anweisung. Ich frage: „Geht auch weder noch!?“ – aber sie bleibt hart. Ich entscheide mich für drüber, zum Tauchen habe ich jetzt keine Lust. Nochmals über ein Netz, dann zum Finale ins Olympiastadion. Chief Balla ist außer Sichtweite. Jetzt Sandsäcke am Flaschenzug hochziehen und langsam – laangsaaam! – wieder runter lassen. Viel kann jetzt nicht mehr kommen.

Damit habe ich mich getäuscht. Als ob ich nicht schon genügend Bretterwände überstanden habe, baut sich jetzt unversehens das höchste Exemplar des Laufes vor mir auf. Wohl an die 2,5 m hoch, bin ich mit der Wand ziemlich allein auf der Strecke. Ich hadere mit meinem Schicksal, nehme Anlauf und kann die Kante oben greifen, hänge in der Luft, aber mehr halt auch nicht.

spartan-wandIch schiele nach rechts, wo ein paar Hilfsbretter angeschraubt sind. Der spartanische Streckenposten kann leider Gedankenlesen und sagt mir nur spartanisch knapp aber in Großbuchstaben „NUR FÜR FRAUEN!!!“. Innerlich werde ich jetzt kratzbürstig, sage nichts, nehme mir aber vor, künftig die viel geforderte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mit aller Kraft voranzutreiben. Nur noch einzelne Läufer sind unterwegs. Die meisten kommen mit Anlauf drüber, kleinere Grüppchen helfen sich oder dürfen wegen ihrer Chromosomen die Hilfstritte benutzen und sind dann auch schon verschwunden. Zu diesem Zeitpunkt werde ich richtig bockig. „Dann setze ich mich halt hier hin und warte.“ Früher oder später werden sie das Hindernis ja abbauen. Endlich kommen wieder welche, ich nehme Anlauf, hänge bereits am Brett, liege mit meiner Vermutung aber falsch, daß einfach jemand schnell mein Bein packt und etwas nachhilft. Sieht es vielleicht so aus, als wolle ich hier abhängen und eine Bretterwand knutschen!? Nach einiger Zeit kommt wieder ein Grüppchen und mit klarer Ansage und bedrohlichem, angsteinflößendem Funkeln in meinen Augen, erhalte ich endlich die erhoffte Hilfe.

Ab durch die Gänge und Treppen im Stadion zum Speerwerfen, wo ich erwartungsgemäß punktgenau 50 cm neben das Ziel treffe. (Da ich schon Bälle weder fangen noch werfen kann, bin ich überglücklich, niemanden aufgespießt zu haben.) Zum dritten Mal 30 Burpees in Zeitlupe. Ein letzter Kraftakt mit Sandsack die Tribünen im Stadion mehrmals hoch und runter. Oben wartet Chief Balla, und gemeinsam waten wir durch den Schlammcontainer und den Feuerwall ins Ziel.

 spartan-ziel

War doch die „Super“-Strecke mit 11 km nicht wirklich weit, war es die Hindernisdichte mit den ganzen Hebe-, Trage- und Kletterhindernissen, die mich gefordert haben. Und die 90 Burpees. Insgesamt ein gelungener Tag mit perfektem Wetter, eine gelungene Veranstaltung mit ein paar Punkten, wo der Veranstalter noch seine Hausaufgaben machen muß.

Und Muskeln, die mir nach Tagen noch weh tun und von denen ich gar nicht wußte, daß ich sie habe.

Wie leider so oft in letzter Zeit, haben unsere Kameras zwar alles gefilmt, aber wir sind noch nicht zum Aufbereiten gekommen. Bis wir eine grössere Galerie haben kann ich aber den Bericht unseres treuen Fans timekiller empfehlen, der sich den Spartan als Besucher angetan hat und viele schöne Bilder gemacht hat. Danke dafür, und für den Zuspruch unterwegs!

 

BHB14 – mehr Balla geht nicht!

TEAM ELITE

TEAM ELITE

Was über Monate nur ein roter Kringel im Kalender war, sollte jetzt unaufhaltsam Gestalt annehmen: Die Münnerstädter Hölle! Aufstellung am Start und vor uns 26 km über Stock und Stein, durch Wasser und Schlamm, über Strohballen, unter Netzen und Stromdrähten hindurch. Alles ist bereit für einen neuen Spezialeinsatz des Team Elite!

Da wir 2013 mit 5:31:42 nur eine halbe Stunde zu spät ins Ziel kamen, wollten wir das dieses Jahr bei mutmaßlich zwei km längerer Strecke unbedingt auch wieder schaffen. Natürlich bei weiter optimierter Kameratechnik, die bei einer Gesamtkamerazahl von diesmal 8 lediglich einen Akkuwechsel erforderlich machte. Ob wir erneut 3D Material produzieren können, wird sich noch zeigen müssen.

Am Abend zuvor hatten wir jedenfalls bei einem gemeinsamen Pastadoping mit Mitgliedern der Racing Cops vs. Gefahr aus dem Süden eine kohlenhydratreiche Grundlage gelegt, also nicht nur für das 3D Filmen, auch für’s Durchkommen. Redeten wir uns jedenfalls ein.

Killing Drill downhill

Killing Drill downhill

Nun sollte sich zeigen, ob unsere konsequente Vorbereitung Früchte tragen würde. Der Teameinlauf mit den Racingcops zusammen wäre auch gut als Catwalk durchgegangen, wäre da nicht das gemeinsame PushUp-Pumpen im strammen Takt von Marc Schwalbers Trillerpfeife gewesen, dass uns auf den Ernst der kommenden Herausforderung einstimmte.

Lauercrossing 1

Lauercrossing 1

Beim Hinknien, dem Gelöbnis des Masterchiefs und dem langen, laaaaangen Warten bis zum 1., 2., 3, 4., 5., 6. und endlich 7. Startblock war alles noch wie immer. Erst nach der Ehrenrunde im Stadion zeigten sich die ersten Veränderungen:

Die sehr lange Wartephase hatte ein ganz besonderes Hindernis geschaffen, das in keinem Streckenplan zu finden war: kollektives Wasserlassen an der Abbruchkante vor dem Killing Drill – ein Vergnügen, welches sich in unserer Ballakluft natürlich vollständig verbot und den Druck nach dem ersten Downhill in der Uphillphase nur unnötig geschwächt hätte.

laser fog

laser fog

Die neue Laufschleife nach Althausen kannten wir ja schon vom letzten Mal und waren heilfroh, als das geliebte Lauerwasser nach dem ungewohnten Frühanstieg uns nun endlich wieder wohlig kühlte. Das tat es übrigens noch einige Male. Auf unseren altbekannten Hangman mussten wir aber noch warten, diese kraftzehrende Hangel-Prüfung hatte der hinterhältige Masterchief an einen Punkt größerer Erschöpfung geschoben und so liefen wir voll freudiger Erwartung dem Hexenkessel von Münnerstadt entgegen.

Doch davor hatten die Streckengötter wieder den Nebel des Grauens gesetzt, der das kalte Herz der Lauer undurchsichtig verbarg.

Drill-Sergeant

Drill-Sergeant

Modernstes Lasertracking erlaubte es uns auch bei dieser Querung sicher im Verband zu bleiben, bis wir uns unter schönster Frühlingssonne im ersten Kriechhindernis den Münnerstädter Boden endlich wieder aus nächster Nähe anschauen durften.

Damit die Bodenschau auch wirklich gründlich vorgenommen wurde, hatte der Veranstalter – oder sonstjemand? – drei militärisch gewandete Drillsergeants importiert, die uns Läufer lautstark motivierten, die Köpfe tief unten zu halten und möglichst schnell an ihnen vorbeizugleiten – Stauverhinderung mal ganz anders.

in Mürscht

in Mürscht

Nach der obligatorischen Strohballerei führte die Strecke dann erstmals in das schnuckelige Zentrum von Braveheartcity. Hohe Türme, enge Gassen und verschlungene Wege führten uns immer tiefer ins Herz unserer Gastgeberstadt, bis uns schließlich auf dem Marktplatz ein paar eigens aufgestellte Tauchbecken zur Erfrischung in mittelalterlichem Ambiente einluden.

Eine Einladung, der wir unter den begeisterten Augen der Eingeborenen nur zu gerne nachkamen und uns solchermaßen motiviert beherzt über das zweite Stadthindernis hinüberschwangen. Damit ging es zurück ins hindernisgespickte Mudrunnerleben.

High voltage fake

High voltage fake

Da war zunächst ein  stromloser „High Voltage“-Strohballenkriechgang, dann eine Bretterwand, dann noch mal kurzgeschlossene Stromballen, ein kurzes Lauercrossing und endlich der gefürchtete Hangman. Hängt ihn höher schien diesmal die Devise, was mir das Aufschwingen der Beine stark erschwerte und nach kurzer Freihangelphase zu einem unerwartet abrupten Abgang in die Lauerfluten führte, deren Strömung ich mich nur schwerlich wieder entreißen konnte.

Schaumwaschgang

Schaumwaschgang

Die Kameraden hatten etwas mehr Fortune, kamen aber letztlich auch zu ihrer Lauervorwäsche, so dass wir vereint und vollgewässert den nagelneuen Schaumwaschgang mit maximaler Reinigungsleistung absolvieren konnten und somit nicht nur sauber, sondern rein in den Hauptwaschgang des Battles einfuhren: die gefürchteten Lanopfields, lästig rutschigen Matschlöchern.

Um sämtlichen Beschwerden nach unzureichender Härte aus dem Weg zu gehen, hatte der Masterchief die mittlere Grubentiefe und Wandsteilheit gegenüber dem letzten Mal spürbar erhöht. Nicht nur uns beschlich in der ersten Grube nach den ersten erfolglosen Aufstiegsversuchen das düstere Gefühl, vielleicht den Rest des Battles hier lebendig begraben… Doch nein, für das TEAM ELITE kam nun der Augenblick, dem TEAM in seinem Namen Ehre zu machen.

Ballas im Dreck

Ballas im Dreck

Und so schoben und drückten und stemmten und hoben wir, wen immer wir vor uns hatten, nach oben und erfuhren die gleiche Hilfe von allen anderen, die nach uns kamen und vor uns wieder Halt hatten. Und wie schon die letzten Jahre lebte es hier wieder auf, das universelle Kameradschaftsgefühl echter Bravehearts, die gerne viele Minuten Laufzeit dafür gaben, ihren unbekannten Brüdern und Schwestern über die schwersten Hindernisse mit einem beherzten Lächeln hinwegzuhelfen.

Help!

Help!

Fünf solcher Moralbooster später waren wir zwar körperlich eine Entsaftungsstufe weiter aber moralisch wieder ganz oben, nun konnte uns der Michaelsberg nicht mehr schrecken. Und tatsächlich, mein ausgiebiges Bergtraining zeigte hier durchaus Wirkung, das Flachlandtraining meiner Kameraden allerdings auch, so dass ich Gelegenheit hatte, ihren Kampf mit dem Berg der Nachwelt in allen Details zu erhalten…
Die Bergwertung hatte heuer etwas geradezu Kontemplatives an sich. Statt lautem wummernden Bässen begrüsste uns der Mystic-Mountain mit romantischer Stille und warmer Frühlingsluft. Wieder im Tal waren wir dann Teil einer schier endlosen Karavane zur eigentlichen Pilgerstätte des Bravehearts, dem eisig kalten Loch Ness.

Am Loch

Am Loch

Ach ja die ersten Wasserkontakte in warmer Frühlingsluft waren ja noch so beschaulich, freundliche Menschen überall, Pickniker luden zur Stärkung ein – Idylle überall… Und fast wie von alleine trugen uns die Füße bis zur Schlammrutsche und dort auf dem Allerwertesten ins nächste nasse Vergnügen… hei wie das sauste… siiiit…

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRGGGg AAuu, was für ein böses Erwachen, als sich kurz nach dem Passieren der Wasserlinie ein ziemlich spitzer Stein meinem Steißbein – und meinen daran angeflanschten, auf Maxspeed beschleunigten 100 kg Körpergewicht – in den Gleitweg stellte und uns schlagartig zum Stehen brachte.

Gottlob war Kühlwasser im Überfluss vorhanden, und nach den ersten 10m das erste Tauchhindernis fest im Blick, entwich sowieso sämtliches Gefühl aus meinen oberen Hautschichten – ich hätte nie gedacht, dass ich die Kälte dieses Schicksalsteiches mal so schätzen würde.

Und schon waren die ersten Boote in Greifnähe.

Loch Ness

Loch Ness

Im Gegensatz zum letzten Mal ruhten sie nun, einem Fels in der Brandung gleich, sicher und fest verzurrt auf dem Wasser. Und so ließen sie nur einem Weg zu: den Tauchgang. Kompliment an den Hindernisbauer: alle Ungeübten konnten sich an den Booten vor dem ersten Tauchgang noch mal festhalten und ihren Mut sammeln, bevor sie ihr Schicksal in den eisigen Fluten auf die Probe stellten. Auch war der Grund für die meisten noch erreichbar, so dass sich die mentale Belastung in Grenzen hielt. Rein körperlich war es aber wie immer: furchtbar kalt. Der Moment des Untertauchens schockfrostet das Gehirn – andernfalls könnte wohl der Gedanke aufkommen, warum man sich das überhaupt antut…

Beim zweiten Tauchgang konnte man sich dann beweisen, dass man doch das Zeug zum Helden hat und an der breitesten Stelle die Bootsrümpfe sang- und klanglos aus dem Schwimmen heraus unterqueren. Und dann kam es doch noch – das Schwimmen. Das anstrengendste war dabei mit Abstand, den Rettungsschwimmern während dem Schwimmen klar zu machen, dass die Langsamkeit des eigenen Vorankommens unserer Einsatzausrüstung geschuldet war – und wir dieses mal ihre gutgemeinten Rettungsangebote nicht in Anspruch nehmen sondern uns mit eigener Kraft ans Ufer kämpfen wollten. Und tatsächlich – irgendwie kamen wir an!

Kriechglück

Kriechglück

So konnten wir uns nun beim nächsten Kriechhindernis wieder wunderbar aufwärmen. Doch langweilig wurde es deshalb trotzdem nicht: Zum einen riss die kunstvoll verästelte Vergitterung dieser Krabbelbahn eine Kamera vom Helm unseres Chiefs – Dank an den hochkonzentrierten Nachgleiter der sie prompt einsammelte! Zum anderen trafen wir am Ende unseres Kampfes mit dem reichenbacher Luxusschlick auf das Kameraobjektiv unseres treuen Fotografen Klaus, der für diesen Lauf eigentlich verhindert war, es aber ohne unser Wissen auf den letzten Drücker doch noch geschafft hatte und uns wieder mal geniale Impressionen bescherte, die unsere volle Begeisterung bis in jedes Pixel brachte. Danke auch dafür!

Nach diesem Moralbooster konnten wir auch körperlich und kameratechnisch unsere Akkus am Teestand wieder aufladen bzw. auswechseln und uns dann auf den langen Rückweg machen. Leider war die Feuerwand bei unserem Passieren kaum noch funktionsfähig und die Autowracks vom letzten Mal auch verschwunden, so dass nur noch gleißende Nachmittagssonne zu unserer Wiederaufheizung beitrug. Bauer Eddys Stallrutsche und seine legendäre

Isolator-Wear battleproof

Isolator-Wear battleproof

Bravetellaverköstigung gab uns dann aber den nötigen Kick, den wir für die massiv verschärfte Wendelpower brauchten. Dieses Kriechhinderniss setzte die müden Waden nun gehörig unter Strom, hier stand nicht nur “Vorsicht Strom” dran, hier war auch echt High-Voltage drin bzw. drüber. Also… bzw… ähh… das haben uns jedenfalls die neben uns aufwärts kriechenden Menschen mehr oder weniger freiwillig mitgeteilt, die ihre Körperpanzerung aus unerfindlichen Gründen zu Hause liegen gelassen hatten und immer wieder von heftigen Stößen gepeinigt wurden. Wenn auch sonst unsere Ballamontour dem Fortkommen eher hinderlich entgegenstand, so spielte sie hier ihr volles Potential aus und ließ uns schockfrei das mit Abstand längste und steilste Kriechhindernis erklimmen – really battleproof. Erschöpft waren wir am Ende trotzdem.

Endglück

Endglück

Der wie gewohnt zähe Rückweg mündete nun wieder in den Lanopfields, die diesmal aber – oh Schreck – leer zu sein schienen! Doch gottlob, nach dem ersten Wall stellten sich unsere Zurückbleibensängste als grundlos heraus und wir konnten wieder den gemeinschaftlichen Helferkomplex zelibrieren. Leider war im darauf folgenden Reinigungsbereich das Waschmittel ausgegangen, so dass wir auf die chemische Reinigung ausgerechnet dort verzichten mussten, wo wir sie am nötigsten gebraucht hätten – eine unglaubliche Sauerei! Und so mussten wir mit total vermatschten Händen in den Hangman, mit denen wir nun erst recht keine Chance mehr hatten. Statt einem unsanftem Absturz über Grund, gaben wir nach ein paar erfolglosen Greifversuchen daher dann doch dem freiwilligen Spülwaschgang in der Lauer den Vorzug und gelangten so doch wenigstens eingermaßen vorgewaschen in den finalen Hindernisparcours.

Aus unerfindlichen Gründen erschien uns der Heuballenparcours nun doppelt so lang wie auf dem Hinweg – oder hatte ein ominöses Kraftfeld auf dem Berg unsere Energie abgesaugt? Und statt dem vergnüglichen Schaulaufen in good old Münnerstadt, küsste uns nun ständig eine lästige (k)alte Bekannte: die Lauer – irgendwie war sie nun viel kälter geworden, daran konnte auch ein Schnellaufwärmen im Reifenhindernis nichts mehr ändern.

Zieleinlauf

Zieleinlauf

Wie gut, dass der Masterchief den staulastigen Trampelpfad vom letzten Mal gegen ein erneutes Up-Down-Up im Killing-Drill ausgetauscht hatte. Das zog einem zwar die letzten Reserven aus den Waden, brachte uns aber wieder wohlige Wärme zurück – und etwas Warmes braucht der Mensch. Zu meiner großen Bergläuferschande muss ich aber gestehen, dass mir meine Flachlandkameraden auf diesem letzten Anstieg doch noch davon gelaufen sind und mich erst kurz vor dem Zieleinlauf noch abpassten (oh diese Schande!!!), so dass wir schließlich wieder glücklich vereint das Ziel mit emporgereckten Händen durchlaufen konnten.

Doch letztlich haben sich unsere Mühen auch in sportlicher Hinsicht wieder voll ausgezahlt:
Durch unmenschlichen Trainingsaufwand und ausgetüfteltes Equipment konnten wir die Vorjahresmarke trotz der verlängerten Strecke mit 5:31:01 um wahnsinnige 41 Sekunden unterbieten und somit als TEAM ELITE wieder die Stärke zeigen, die man zurecht von Einsatzkräften erwartet, die balla-balla auf ihren Rüstungen stehen haben. Gut, im Zeitlimit waren wir dennoch nicht, aber interessiert das wirklich, wenn man einen an der Waffel hat?

Mehr Balla geht nicht!

 

Braveheart Battle 2014

TEAM ELITE in Münnerstadt

TEAM ELITE in Münnerstadt

Was für ein schöner Sommertag! Da hätte man mal wirklich gemütlich im Garten ein gutes Buch lesen können… Aber was machen wir? Nach Münnerstadt fahren und durch die Hölle gehen!

Bericht, Galerie und absätzeweise Klagen wie furchtbar es war schreiben wir euch noch, aber für alle Läufer haben wir dieses mal etwas neues: ein Video von euch am ersten Hindernis! Wir haben eine unserer Reservekameras hinter der Holzwand aufgestellt und über 2 Stunden durchlaufen lassen, das hat für alle Starter und sogar die ersten Finisher auf dem Rückweg gereicht!

Hier die Links zu den Videos, wo wir es schon ermittelt haben mit grober Startzeitangabe der Starterwelle für alle, die zwar wissen wann – aber nicht in welcher Welle sie gestartet sind. Achtung: jedes ist ca. 200-400MB gross, aber so hat es ausreichend Qualität dass ihr euch auch ein brauchbares Standbild von euch herausschneiden könnt. Am besten mit “Speichern unter” Herunterladen und dann mit Videoplayer der Wahl ansehen.

Startwelle 1, Start ca. 10:56 Uhr
Startwelle 2, Start ca. 11:03 Uhr
Startwelle 3, Start ca. 11:12 Uhr
Startwelle 4, Teil 1
Startwelle 4, Teil 2
Startwelle 5, Start ca. dazwischen
Startwelle 6, Start ca. dazwischen
Startwelle 7, Start ca. 11:52 Uhr
Startwelle 8, Start halt nach 7
Zieleinlauf Platz 1-4

Das balla-balla TEAM ELITE sieht man in Welle 7, schon nach 200 Metern etwas zerrissen bei Minute 2:00 und 2:50 – aber wir haben auch unseren etwas langsameren dritten Mann gemeinsam bis zum Ende durchgebracht, wie es sich gehört!

Wie weit es nun war? Das weiss wohl keiner so genau. Unsere erste GPS-Aufzeichnung gibt es hier:
http://connect.garmin.com/activity/457605325
aber von den da angegebenen 26km muss man sicher einiges abziehen, man sieht an den Hindernissen deutlich wie die Position wild hin und her springt. 24-25km dürften es realistisch sein…

Ach ja: Bilder/Sequenzen von euch aus den Videos dürft ihr ohne zu fragen selber auf eigenen Seiten verwenden, über Feedback freuen wir uns natürlich trotzdem! Und: wer sonst irgendwie Bilder von uns gemacht hat, da freuen wir uns immer über eine Mail an bilder@balla-balla.org :)

 

Tough Guy 2014 – Die Mutter aller Hindernisläufe

tg-startDer erste Block ist bereits unterwegs, Testosteron-gesteuertes Gebrüll erfüllt die Luft. In einem wilden Gewusel rücken die nächsten Läufer vor zur imaginären Startlinie. Irgendwo wurde Mr. Mouse im Pulk gesehen, am Rande Ersthelfer und immer wieder Leute in britischen Uniformen, bei denen unklar bleibt, ob es Läufer oder Offizielle sind und ob deren Uniformen historisch oder aktuell sind. Wir warten auf einen Countdown aber während wir noch warten, setzt sich der zweite Block schon in Bewegung. Kurze Zeit später hört man dann auch den Startschuß. Den Berg runter auf der Matschwiese durch den blauen Rauch von Nebelkerzen, weiter über verschlammte Wege durch das Tal des Grauens, auch killing-fields genannt, doch die müssen noch auf uns warten. Nach 500 m ein erster Stau, weil Hunderte von Verrückten fast gleichzeitig auf Holzbalken treffen, die jemand quer über den Weg gebaut hat.

DCIM101GOPROGestern hatten Chief Balla und ich zusammen mit der lustigen Truppe „Muddy Fox – Running Rocks“ (Danke Katja für die Orga!) bereits das Gelände in Augenschein genommen. Mr. Mouse lädt regelmäßig Irre zur Mutter aller Hindernisläufe in seinen – zugegeben sehr großen – Garten ein. Die Einnahmen der 15 km langen Schinderei fließen in seinen Gnadenhof für alte Tiere. Mächtig hohe Hindernisse und immer wieder Wasser und Schlamm flößen mir Respekt ein. Niemals würde ich jedoch meine Alpträume der letzten Nächte zugeben. Ich hätte es einfach bleiben lassen sollen, mir zuvor Berichte, Bilder und clips der früheren Tough Guys anzuschauen. Das Glück ist uns hold: + 3 Grad, kein Eis auf dem Wasser, nur der kräftige Wind nervt. Gestern war noch Sturm. Es werden also nicht mehrere Hunderte von Unterkühlungen neben den Verstauchungen und anderen Ausfällen auftreten. Vielleicht.

tg-netzEs staut sich noch vor dem Balkenhindernis, nur langsam geht es weiter. Endlich durch. Und die Strecke bleibt (noch) versöhnlich. Mr. Mouse möchte möglichst alle unverletzt in den killing-fields sehen. Frierende Zuschauer in überschaubarer Zahl schauen uns nach wie der Wahnsinn über Holzhindernisse, unter niedrigen Netzen und leichten Steigungen weiter geht. Ich liege knapp vor dem Chief, versuche ein moderates Tempo und hoffe darauf, im Hindernisfinale noch genügend Energie zu haben. Nach etwa 6 km erreichen wir einen Hügel, der mit endlosen Serpentinen, Gestrüpp und Steinen ersten Widerstand leistet. Chief übernimmt die Führung, ich hechele hinterher. Langsam zieht sich die Teilnehmerschar auseinander und ein Wäldchen beginnt mit endlosen Schleifen, knietiefen Schlammgruben und immer wieder Kriechhindernisse aus Netzen. Es dauert, bis auch der letzte Nullblicker kapiert, daß man das Netz nach dem Unterkriechen nicht einfach fallen läßt, damit sich die Nachfolgenden drin verfangen, sondern wenigstens noch kurz hoch hält. Immer wieder Schlammgruben, die langsam tiefer werden. Und jetzt in Schleifen so viele Schlammlöcher zum Rein- und Rausklettern, daß die Kälte unweigerlich in mir hochsteigt. Keine Strecke mehr zum Nur-Laufen und wieder Aufwärmen. Für Schlamm-Fetischisten ein Paradies.

DCIM101GOPROBisher rund 10 km, in mir macht sich langsam Panik breit. Kletterhindernisse häufen sich, alle machbar, wenn auch immer wieder andere auf ihnen ausrutschen und eine unsanfte Landung hinlegen. Chief rennt vor und erreicht vor mir den „Tiger“. Das erste Hindernis der killing-fields! Fast 10 m hoch, eine Konstruktion aus Balken, Seilen und Netzen. Auch machbar. Wenngleich viele Hindernisse schon bessere Zeiten gesehen haben, voller Moos und Schlamm sind und jeder deutsche TÜV hier ein Fest feiern würde. Als bekennender Grobmotoriker brauche ich ewig, möchte aber die Fangnetze lieber nicht testen. Die nachfolgenden Stromfäden sind enttäuschend lahm.

DCIM101GOPRONochmals auf Balken und Netzen in die Höhe und wieder hinab. Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. Kaum mehr Laufstrecke, dafür Hindernis auf Hindernis. Und immer wieder Wasser. KALTES WASSER! Selbst zum Trinken. Iso, Bananen, Riegel, Nutellabrote sind nicht im Angebot. Klatschnaß und inzwischen auch durchgefroren wieder hoch und an zwei Seilen in luftiger Höhe balancieren, was mir erstaunlich gut gelingt. Wer Höhenangst hat, kommt hier trotz Kälte ins Schwitzen. Ich aber komme immer mehr ins Frieren und der Chief rennt mir davon. Wieder WASSER! Ich habe keine Zeit mehr für Panik, beschließe, daß ich definitiv zu alt für so etwas bin und erreiche mit meinem alten (aber einzigen) Körper den Chief. Plötzlich die torture chamber: mit Dunkelheit, Matschlöchern, Holzhindernissen und Stromfäden. Im Kriechgang hindurch, nicht wirklich dunkel, weil sie nach einem Zwischenfall im vergangenen Jahr entschärft wurde. Jetzt muß ich doch endlich einen Stromschlag bekommen? Fehlanzeige – ich bin etwas enttäuscht. Später eine aus Reifen gebaute Röhre zum Durchkriechen, hier zahlt sich aus, daß wir nicht im Körperpanzer aus Kunststoff unterwegs sind, sondern im schwarzweiß gestreiften originalen Gefängnisoverall. (Damals nach der Entlassung hatten sie gesagt, nach den vielen Jahren, könnten wir sie ja auch gerne behalten. Schon praktisch!)

DCIM101GOPROWie der Kurs weiter verläuft, der jedes Jahr etwas variiert wird, läßt sich im Vorhinein kaum abschätzen. Was auch gut so ist, denn unvermittelt stehen wir vor meinem persönlichen Horror-Hindernis: dem Tauchhindernis. Ein erster Balken zum  drunter Durchschwimmen als Einstimmung, dann mehrere in Folge. Es ist saukalt! Das Gehirn schrumpft in Sekundenbruchteilen auf Erbsengröße. Immerhin komme ich heute ohne Wasserwacht aus. Chief ist schon an Land, ich folge wenig später. Schnell die Wollmütze runter und auswringen. Das Gehirn hat wieder Haselnußgröße und das Sprunghindernis ins kalte Wasser baut sich vor uns auf – es bleibt gnädig hoch. Chief Balla ist schon durch und während sich seine Flutwelle wieder beruhigt, stehe ich noch meditierend und zögernd auf den glibberigen Planken. Ich will im Prinzip nur wissen, ob man im Wasser noch stehen kann, aber die englische Konversation mit einem Streckenposten wird von Mißverständnissen überschattet. Diese Zeit nutzt ein anderer Teilnehmer, um abzurutschen. Er wickelt sich um die Balken, bleibt zum Glück unverletzt, nimmt dann aber den Bypass ohne Sprung ins Wasser. Mit einem kühnen Sprung hechte ich in die nasse Kälte.

DCIM101GOPRODurch den Matsch geht’s weiter auf eine haushohe Konstruktion modriger Balken und Stämme. Oben ist Balancieren auf Planken angesagt, am Rand geht’s nur langsam, der kalte Wind pfeift um die Ohren. Chief Balla ist schon durch, während ich die reizvolle Aussicht noch überproportional lange genieße. Viel kann nicht mehr kommen. Tatsächlich geht es nur noch ein Stück mit wenigen Reifen weiter zu einem Tümpel. Ein letztes Waten durch das Wasser, kurz hoch, runterrutschen unter Stromfäden hindurch, aber der Strom ist schon abgestellt. Wieder hoch und durchs Ziel! – Durchs Ziel? Ein Bogen mit Uhr steht da, aber auch die Aufschrift „100 meters to finish“. Wo das Ziel nun wirklich ist, bleibt unklar, genauso wie die Frage nach der tatsächlichen Zeitnahme. Während der schwarzweiß-gestreifte Chief noch Audienz beim Chef der racing cops hat, beschließe ich den Lauf (unfreiwillig) mit einer Arschbombe in den Schlamm und habe sofort die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der bespritzten Zuschauer.

DCIM101GOPROMEDAILLE! Das war es also. Wir sind jetzt Tough Guys! Ein Finisherphoto und mit unterkühlten, zitternden Händen über Berge alter Klamotten zur Tee- und Kakao-Ausgabe. Überall stolze, abgekämpfte Finisher mit Medaille inmitten der Besucher. Keine wirkliche Partyzone, ein paar Freßbuden sichern die Grundversorgung, aber alles wirkt doch etwas improvisiert.

Wir haben uns umgezogen, das Kältezittern läßt nach. Auf dem Weg zum Bus dämmert uns langsam: wir sind jetzt Tough Guys.

Wir haben die Mutter aller Hindernis- und Matschläufe gefinished – den, der als das Härteste der Welt gilt. Wir sind balla-balla.

So hart wie für uns, war es übrigens auch für unsere Kameras. Kälte, Schlamm, Regen, Wasser, schwer da Brauchbares rauszubekommen. Wir werden dennoch in den nächsten Tagen noch eine kleine Sammlung für die Galerie probieren. Bis dahin, dieses Video von einem anderen Team gibt einen ganz guten Eindruck, wie es dieses Jahr da so aussah…

 

Getting Tough The Race 2 – Balla-Quartett in Deutschlands kaltem Herzen

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Quick Balla bei Tauchtraining

Balla-Balla.org war ja immer schon ein Multigenerationenprojekt mit Chief in den 30ern, Big in den 40ern und Doc in den 50ern. Für GettingTough TheRace 2013 ist es uns nun gelungen, auch für die Twens was zu bieten und mit unserem neuen Hoffnungsträger Quick Balla nun auch einen 27-jährigen Bekloppten in unseren Reihen begrüßen zu können.

Ohne jegliche Berührungsängste lies er sich in die ballatypische Kluft stecken und in mehreren Trainingsläufen willig durch Matsch, Dreck, Bäche, Bergwälder und sogar Seen treiben. Nachdem er in voller Montour bei 4° Wassertemperatur sogar noch eine Tauchstrecke absolviert hatte war klar, dass unser Neuzugang uns bei GettingTough keine Schande machen würde.

Quick Balla

Quick Balla

Solchermaßen vorbereitet machten wir uns zuversichtlich auf die Reise nach Rudolstadt. Mit dabei war wieder unser bewährter Fotograf Klaus und Afghanistanveteran Sven, der sich aber verständlicher Weise mit seinen Kameraden vom Bund Deutscher Veteranen durch die Hölle von Rudolstadt kämpfen wollte.

Als geradezu geniale Unterkunft stellte sich der Fitnessclub InJoy in Rudolstadt heraus, der seine Gymnastikhalle als Schlafquartier zur Verfügung stellte und uns am nächsten Morgen ein Top Frühstücksbuffet auftischte, mit allem, was der Mudrunner braucht. Absolutes Highlight: Die Saunanutzung auch nach dem Rennen!!! Ein Bustransfer zum Festgelände war auch organisiert und das Plaudern mit den anderen Läufern in dieser fast privaten Atmosphäre brachte viele neue Freunde, die wir dann auch beim Lauf und hinterher wieder trafen. Einen besseren Botschafter für die Gastfreundlichkeit von Rudolstadt können wir uns nicht vorstellen – ehrlich!

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Chief und Doc vor dem Start

Trotz später Ankunft schauten wir natürlich noch beim Festzelt vorbei, um vielleicht doch noch unsere Startnummern zu bekommen und natürlich unsere anderen Ballabrüder Chief und Doc zu treffen.

Beides klappte – die einzige Unklarheit war noch, ob man denn beim Rennen eine große Tasche Wechselklamotten im Gepäckzelt deponieren könnte oder nur den kleinen Beutel, der dem Starterpack beilag. Leider war dieser wichtige Punkt den meisten anderen Läufern auch unklar, so dass viele sich nicht gleich nach dem Rennen umziehen konnten, was bei dessen Extremtemperaturen schon unglücklich war. Da sollte beim nächsten Mal für ein größeres Zelt und eine eindeutige Vorabinformation auch der Helfer an der Starnummernausgabe gesorgt werden – ansonsten gab sich die Orga keine Blöße.

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Big und Quick starten

Dann ging es also los: Auszug aus dem Festzelt bei Schneetreiben um den Gefrierpunkt, angeführt von Dudelsackspieler und schwer bepanzerten Rittersleuten, die aber leider nicht mitliefen – schade – der Laufbericht hätte uns brennend interessiert. Dann ging es die 3 km rüber zur Startwiese, wo wir nochmals gut 20 min auf den Startschuss warteten. Schon dabei bewährte sich unsere ballamäßige Ganzkörpervermummung, während um uns bereits das große Zittern begann.

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Wasserkontakt

Countdown gab’s keinen, sondern einen lauten Knall und schon war alles in Bewegung. Das erste “Kriechhindernis” aus dünnen Bändchen wurde dann leider auch praktisch überrannt, denn jeder wollte sich endlich wieder warmlaufen. Doch die beiden Wassergräben mit ihren senkrechten Böschungen zwangen viele gleich zu eisiger Abkühlung bis eine der stets ausgestreckten helfenden Händen auch ihnen heraushalf.

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Schlammrutschen

Hilfsbereitschaft und Kameradschaft zeigten sich so gleich zu Beginn und wärmten unsere Herzen, während unsere Füsse bei der nachfolgenden Saalefurt regelrecht schockgefrostet wurden.

Doch die folgenden Anstiege brachten die Waden nur allzu schnell wieder zum glühen. Richtig spaßig wurde es im Slalomparcours einer ansteigenden Mulde. Hier konnten wir auf unseren Hosenböden jeweils mit Karacho zu Tal rutschen.

Trotz dieser Spezialtechnik bremsten wir unseren Newbie zusehends aus, weshalb er uns schließlich bat, den Durchmarsch nach vorne allein wagen zu dürfen, was die Teamleitung natürlich zuließ. Ganz bis zur Spitze reichte es dann zwar nicht, aber am Ende trug unser Quick Balla das Balla-Banner gut 1 Stunde früher durchs Ziel als wir Altvorderen.

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Reifenlaufen

Dann also flugs zu Reifenausgabe und den Pneu nen km durch die Hügel geschaukelt – eigentlich ganz nett, wären da bei den Rutschpartien abwärts nicht ein paar fiese Steißbeinzertrümmerungssteine versteckt gewesen, welche die Veranstallter bestimmt am Tag zuvor noch vergraben hatte. Aaaaauuuu, warte, wenn wir diesen Kallinator erwischen.

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Korbhürden

Ich muss gestehen, mein Reifen ist mir sehr ans Herz gewachsen, doch schließlich hieß es Abschied nehmen und schon ging es in die Alpen.. nein den

Himalaya, oder so, jedenfalls aufwärts und weiter und weiter und höher und weiter… es wollte kein Ende nehmen. Dann hatte auch noch irgendein fauler Busfahrer seine Karre beim Ausladen mitten im Weg stehen lassen, so dass wir nur durch den Laderaum kriechend weiter kamen, und das mitten im Wald. Dahinter hatte jemand auch noch zig Palettenkörbe in den Weg gestellt, die auch nur wieder springend überquert werden konnten – also der Förster sollte echt mal aufpassen, was in seinem Wald so rumsteht! Wir mussten das sowieso – also aufpassen, denn beim Abstieg kam man auf dem fest getrampeltem Schnee nur allzu leicht ins Rutschen. Schließlich war es geschafft und nachdem wir noch eine Papiermüllpressquadermauer überklettert hatten, traten wir zusammen mit ein paar Racingcops den zähen Rückweg an.

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Papierburg

Hatte ich schon erwähnt, dass es kalt war, um nicht zu sagen sch…kalt? Nein? Na ist ja auch egal und so kämpften wir uns fröstelnd an der Saale entlang und zusehends schwächer weiter bis sich in Cumbach der Himmel öffnete und eine Familie vor ihrem Haus wunderbaren warmen Tee aus riesigenTöpfen ausschenkte und uns somit wieder die Moral für die letzten8 km zurückgab. Danke an euch, ihr wart unsere Rettung!

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Tee-Rettung

Aber oh Schreck statt dem dem netten Aufstiegsweg führte die Strecke nun über einen grässlichen, abschüssigen, total matschigen Pfad, der die Waden und die Nerven nochmal heftigst anspannte.

Doch schließlich kamen die Wassergräben in Sicht und nach 19 km Lauferei kam nun das, weswegen man sowas wohl eigentlich macht – die Hindernisse.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, diese Kneippkur im Wassergrrben machte uns müde Männer wieder munter und brachte die Vorfreude auf das Kommende zum Vorschein. Davor hatte der Herr der Leiden (ja Herr Kalinowski, Sie sind gemeint) aber noch eine Runde Flutkatastrophegedächtnissandsacktragen gesetzt – oder

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Sturmbahn

war das erst nachher? Die Erinnerung setzt aus!

Ein Unikum auf jeden Fall die für Matschbekloppte reaktivierte Sturmbahn der NVA, hier hiess es robben, hangeln, springen, klettern. Bei akuter Unterkühlung wärmstens zu empfehlen, das absolute

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durch Feuer..

Highlight: Durchs Feuer gehen. Statt zu löschen liess es die teuflisch gute freiwillige Feuerwehr hier anständig lodern – Danke, dass ihr uns so richtig schön eingeheizt habt!

Solchermaßen vorgegart liefen wir dann zum Abschrecken im Freibad ein, wo wir nicht lange fackelten, sondern das Tauchen beherzt in Angriff nahmen. Jetzt zahlte sich das Tauchtraining im Ballaoutfit aus, denn kälter als in unserem Übungsteich haben sie das Rudolststädter Abklingbecken auch nicht bekommen. Die Stegüberquerung im

vollgewässerten Zustand gestaltete sich dann für uns Ballaveteranen durch die erhebliche Gewichtszunahme schwerer als gehofft und drohte bei aufrechter Körperhaltung zum zweiten Tauchgang zu werden.

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..und Wasser

Vierfüßig konnte dann aber doch das andere Ufer erreicht werden. Lob hier an unseren Jungspund, der eine Stunde zuvor aufrecht am Zielhafen eingelaufen war. Errrwwwwähhntte iiichh schh.. sschooon, dasss iiiirggendwwwie…vvveerddammmt kk… kkk… kaaallt waaar??

Gottlob gaben uns die nun folgenden Hindernisse die Möglichkeit, mit Kriechen und Klettern wieder wärmer zu werden, wobei ein eingenebelter Irrgarten als echte Innovation herausstach. Gorillas im Eis-Nebel sozusagen.

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Wasserlaufen

Und dann nach erneuter Saaledurchquerung waren wir endlich am Ziel unserer Ängste und Träume angelangt: dem Walk of Fame. Hier bewährte sich unsere Einsatzkluft nun auf Beste, denn 150m Kriechen auf Schotter, Beton und Sand machte uns mit Kniepads, Handschuhen, Schutzweste und Helm einfach ungetrübtere Freude als halbnackt. Unser Beileid und Respekt an jene, die das in dünnen

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auf der Pyramide

Sportklamotten durchstehen mussten. Die Dichte an phantasievollen Hindernissen war überwältigend und ließ wirklich keine Wünsche offen. Besonders lobenswert, dass alle zwei- oder sogar dreispurig ausgelegt waren, so dass nervige Staus im Endspurt von vorne herein ausgeschlossen waren. Ob nun Strohballen, Stangenkäfige, Panzer, Wasserwannen oder die gefürchtete Pyramide, alles war perfekt präpariert und motivierte uns, dafür das Letzte aus uns herauszuholen. Auch wenn das teilweise nicht mehr viel war. Und dass sich die beiden Hauptorganisatoren nicht zu Schade waren, auch noch Späteinläufern wie uns, die eine oder andere Hilfestellung anzubieten, spricht für sich und ihre positive Einstellung zu allen, die sich ihrer Herausforderung bis zum Ende stellten.

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walk of fame

Solchermaßen angestachelt nahmen wir die Eskaladierwände in bestem Räuberleiterteamwork und standen auch das schier nicht enden wollende Reifenhindernis durch. Aufgemuntert durch die freundlichen Kommentare des Stadionsprechers machten die letzten Hindernisse dann wieder so richtig Spaß: Über-, Unter- bzw. Durchklettern der Autowracks und Kleinpyramiden und der aufwändig konstruierte Netzkletterpark mit Schwebebalken, Feuerwehrstangen und Netzkletterbrücken – einfach Geil – ein echter Spaß. Also wenn man davon absieht, dass wir halt schon alle irgendwie völlig fertig waren, sagen meine beiden Kameraden.

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letzte Hürden

Nach GettingFun gabs mit den finalen Betonwänden zum überstemmen und U-Profilen zum durchgleiten noch mal ein ultimatives GettingTough und dann waren wir auf einmal durch, ganz völlig total endgültig durch – das Ziel! Nach GettingCold beim Start, GettingPneu mit den Reifen, GettingHigh in den Bergen, GettingDown auf dem Rückweg, GettingWet beim Tauchgang und GettingThrough im genialen Hindernispark nun also endlich – GettingTough. Mit Massivmedaille. Great!
Und wieder mit unserem wackeren Erstfinsher Quick Balla vereint, starteten wir die ultimative Auftauphase in der Sauna des Injoy. Nach diesem GettingHot gabs noch ein geniales Abschiedsfeuerwerk auf der Bleichwiese vor dem Festzelt.

Ziel

Im Ziel

Wow – GettingGreat bei GettingTough – da war wirklich für alle was geboten.

Vielen Dank an die Veranstalter, alle Helfer und Aktiven – ihr habt uns ein unvergessliches Erlebnis gegeben, macht weiter so – It’s getting great with GettingTough!

 

Tough Mudder – ein Fotofinish!

Aber sowas von balla balla!

Aber sowas von balla balla!

Was für ein Tag. Perfektes Wetter, perfekte Organisation und perfekter Halt: 3 Wetter Mud! Demnächst an dieser Stelle mehr über die Premiere des Tough Mudders in Deutschland, aber vorweg schon mal Danke an die unzähligen Mitläufer und Helfer die uns an der Strecke angefeuert und uns in unserer klobigen Kluft über das eine oder andere Hindernis gehievt haben. Aber lasst euch nix vormachen: ultra schnell waren wir nicht, nur ultra bescheuert!

An all die Bekloppten, die sich nach dem Lauf dann auch noch mit uns fotografieren liessen: bitte mailt uns die Bilder! E-Mail einfach bilder (at) balla-balla.org. Wenn wir uns auch auf der Strecke gesehen haben sagt das dazu, dann haben wir euch ziemlich sicher mit unseren Kameras gefilmt und können ein paar Bilder zurückmailen.

Verrückte unter sich

Verrückte unter sich

Wir haben uns wirklich gefreut auf wie viel Zuspruch das balla-balla-Laufen bei diesem Tough Mudder getroffen ist – vielleicht lässt ja auch der eine oder andere von euch beim nächsten mal die öden Funktionsklamotten im Schrank? :)

Wir werden in den nächsten Tagen eine Bildersammlung der Strecke online stellen – aber bitte gebt uns noch etwas Zeit, in ein paar Stunden müssen wir das Ganze erst nochmal laufen. Diesmal nicht ganz so ELITE, denn heute sind wir auf der Flucht! Wer bis dahin trotzdem ein paar Mudderbilder sehen will, dem sei unsere Galerie aus Vermont empfohlen. Aber man sieht deutlich: die Berlin Wall heute war höher!

 

Braveheartbattle 2013 – Helden & Bekloppte!

Münnerstadt. Das ballamäßige TEAM ELITE startet zu seinem dritten Braveheartbattle – zusammen mit knapp 2600 anderen vernunftsmässig herausgeforderten und einer Armada von Helfern. Letztere haben alles gegeben, um aus dem geilsten Extremlauf alle Zeiten vom letzten Jahr die größte Schlammschlacht des Jahrhunderts zu machen. So hat sich die Rennleitung auch nicht lumpen lassen und, entgegen erster Ankündigungen, doch noch mal zwei Kilometer draufgesattelt. Pah, Mitmachen war vorher behämmert und ist es jetzt immernoch! Auch die anderen Superlative wurden mit dem Nahen des Laufdatums immer extremer: standen nach der Erhöhung auf 26 km und dem vorab veröffentlichtem Höhenprofil eigentlich +/- 600 Höhenmeter im Raum, so steigerten einige Berichterstatter dieses Pensum auf eben mal das Vierfache, ein Fernsehteam berichtete später gar vom 20. Battle – und wir dachten schon, wir seien die Verrückten.

Um unseren chronistischen Pflichten genüge zu tun hatten wir diesmal ganze 7 Kameras auf 3 Helme verteilt dabei. Wenn das so weitergeht ist unser Outfit bald nicht mehr das durchgeknallteste was wir mitschleppen. Wie hoch, hart und weit es war werden wir noch analysieren, hier aber auf jeden Fall schonmal erste Bilder die zeigen: dreckig war es mal wieder! Ausreichend! Noch mehr folgen in der Galerie…

Wie immer gibt’s alle Bilder auch einfach als ZIP-Download (230MB)

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Winter Laufen

wl-ism13Da fragt man sich natürlich schon – warum macht man das? Es ist kalt, manchmal nass, oft glatt, und ausserdem kalt. Nass und glatt auch oft. Hatte ich KALT schon erwähnt?? Dennoch hatten wir uns für die ganze Ismaninger Winterlaufserie angemeldet. Nicht, weil wir zwingend alle Läufe machen wollten – aber weil es noch blöder wäre, sie dann doch zu laufen und teurer einzeln anzumelden. Gut, wir sind diesmal dann auch alle gelaufen, aber nicht weil es Spass macht, oder wir balla balla sind – sondern nur, weil’s am Ende Kuchen gibt. Gut, und weil man halt irgendwie in Form bleiben muss.

Eigentlich sind die Ismaningläufe ganz schön. 13, 17, 21km. An der Isar lang, hoch, zurück, und wieder in’s Stadion. Und dann Kuchen, Krapfen, warme Getränke. Die Stimmung ist gut und Nettozeitnahme für die Ambitionierten gibt es auch. Die 17km waren diesmal doch ein bischen eisig, und die 21km sind doch immer etwas länger als ein Halbmarathon, aber daran haben sich Ismaningläufer gewöhnt. Ausserdem trifft man dort immer wieder nette Leute wie z.B. Lizzy – die diesmal auch Balla Balla wurde und das in Beachwalkern gelaufen ist. So bekloppt sind wir dann doch noch nicht.

Prinzipiell würden drei Winterläufe ja auch völlig reichen. Wären da nicht äussere Umstände. Z.B. Timekiller und Henrik, die dieses mal von Anfang an bei der Durchführung des Bestzeitmarathons mithelfen. Und meinten, beim 15er der Münchener Winterlaufserie könnte man da doch mal ein wenig planen. Ausserdem hatte Henrik noch meine Weihnachtsüberraschung zu übergeben. Also ab in den Olympiapark, 15km, Planungskomiteemeeting und dann noch bischen Schwimmen in der Olympiahalle. War ne gute Vorbereitung für Ismaning 17.

wl-crossAber die Weihnachtsüberraschung war noch nicht da. Also musste ein weiterer Lauf her. Der Stadioncross bot sich an, und eigentlich wirkte das alles auch machbar. Das Zeitlimit von 55 Minuten für knapp 10km Crosslauf wirkte etwas sehr ambitioniert, aber ich hielt es für irgendwie zu schaffen. Übler hingegen: ein Starterfeld von gut 20 hochambitionierten Vereinssportlern. Von Spassläeufern keine Spur, die waren wenn überhaupt dann auf der Halbdistanz zu finden. Nach der ersten Runde war klar: mein letzter Verfolger war ein erfahrener Sieger der Seniorenwertung der seine Runden wie ein Uhrwerk abspulte, das würde ich nicht mithalten können. Mein erster letzter Platz in einem Wettbewerb. Aber immerhin 2 Minuten vor dem Zeitlimit! Und die Weihnachtsüberraschung war da!

wl-fasching5 Läufe hätten für den Winter nun auch wirklich gereicht. Hätten wir da nicht noch eine quasi moralische Verpflichtung gegenüber dem Faschingslauf der Münchener Serie. Letztes Jahr hatten wir dort mit unserem total balla balla Zwangsjackenoutfit (Kostüm?!? Wer Balla Balla ist wird da reingesteckt!) die Kostümwertung gewonnen. Der Preis besteht zwar aus Alkohol statt einem Folgestart, aber irgendwie gehört es sich dann ja doch nochmal aufzutauchen. Zumal der Faschingslauf kostümmässig echt noch etwas Nachhilfe braucht, mit uns waren es dieses Jahr vielleicht 10 Läufer die man als ernsthaft kostümiert ansehen konnte. Und so kam es wie es kommen musste – unser LAUF-POLIZEI + Knacki Outfit verschaffte uns erneut eine Flasche Prosecco. Damit können wir uns dann die 54:04 schön trinken, eigentlich hatten wir eher etwas um die 52 angepeilt.

wl-sylvesterOh, Kostümpreis. Da war ja noch ein Lauf, der Sylvesterlauf in Hamburg. Da mitzumachen war eine relativ spontane Entscheidung, irgendwann muss man so nen Sylvesterlauf halt mal mitmachen und ich war in der Nähe. Und ich staunte nicht schlecht, ganz anders als beim Münchener Faschingslauf lief hier sicher mindestens die Hälfte kostümiert. Da fiel ich in meinem klassischen Balla-Streifenhörnchenanzug quasi gar nicht auf. Gut, um bischen aufzufallen und der Polizei klar zu machen, wer hier der Läufer ist, gab es noch Handschellen dazu. Über 10km zwar durchaus lästig, aber den wirklich an nahezu der kompletten Strecke verteilten Zuschauern gefiel es und reichte am Ende auch für einen Kostümpreis. Der Fairness wegen muss man sagen: davon vergeben die Hamburger nen gutes Duzend, alle die unterwegs von der Jury notiert werden dürfen nachher zu Applaus und Fotos auf die Bühne und sich ne Kleinigkeit mitnehmen. Nen Krapfen gab’s auch, und das Ganze für 10 EUR. Ich glaube fast das war mein Lieblingslauf diesen Winter.

wl-idtJetzt ist es auf jeden Fall erstmal genug mit dem Winterlaufen. Zumindestens draussen. Diese Woche geht es ab nach Dortmund in die Halle, zum Indoortrail. Es ist zwar immernoch Winter, aber dennoch schön warm – bis auf die kleine Schneepassage. Hoffe ich jedenfalls. Letztes Jahr war die Balla-Quote da übrigens auch noch erschreckend gering, so dass wir dem WDR sogar eine Erwähnung wert waren. Mal sehen, ob sich diesmal ein paar mehr Läufer vom Spasslauffieber haben anstecken lassen, oder doch wieder die meisten als Sportler verkleidet laufen. Wer sich fragt wie so eine Indoortrailstrecke aussieht: Hier und Hier haben wir zwei Videos vom letzten Jahr, auf einem läuft mir sogar Knut Höhler davon, der den Sieg dann aber doch Florian Reichert überlassen musste. Da bin ich diesmal wirklich gespannt, wer das Rennen macht. Wir jedenfalls nicht, wir laufen zum Spass mit. Auch wenn sich das unterwegs nicht immer so anfühlt…

 

Getting Tough The Race

–> Zur Galerie zum Lauf

“The Race That Destroys You” hiess es. Im Nachhinein fragt man sich natürlich, was man daran falsch verstehen konnte… Am letzten Wochenende fand jedenfalls in Rudolstadt in Thüringen die Premiere von “Getting Tough The Race” statt. Und es war tough. Tougher als erwartet? Schwer zu sagen, aber auf keinen Fall harmloser…

Angefangen hat es eigentlich noch ganz gemütlich. Mit einer Nudelparty, hatte ich auch ausreichend für trainiert. Im Festzelt gab es Startunterlagen, ein “Getting Tough” Funktionsshirt und eben Penne mit Bolognesesosse und Kaese. Und netterweise auch mehrere Portionen für alle, die Hunger mitgebracht hatten, also eine optimale Vorbereitung. Hier traf ich auch bekannte Gesichter von caba.de, schon gut wenn man nicht der einzig Bekloppte ist. Wirklich der Bär steppte allerdings dann doch nicht zu lange auf der Party, so dass ich mich irgendwann in’s InJoy Fitnesscenter aufmachte, die zu einem fairen Preis Platz für Luftmatratze und ein Frühstück angeboten hatten. Auf dem Weg vom Auto zum Studio – immerhin gut 20 Meter – wurde aber schon klar: es ist kalt. Saukalt. ZU KALT.

Im Schlafsack war es erstmal warm, und am nächsten Morgen zeigte sich, ich würde diesmal nicht der einzige sein, der nicht in Weltraumforschungs-Funktionsklamotten läuft. Direkt nebenan bereitete sich eine Gruppe vor, deren Outfit in digitalkameratauglicher Pixeltarnung an unser Braveheartoutfit erinnerte – später erfuhr ich, sie hatten uns da gesehen und sich tatsächlich davon inspirieren lassen. Schön – Balla Balla laufen setzt sich durch! Grüsse an dieser Stelle – wir sehen uns in Münnerstadt! Aber was ein Glück, dass ich die 5kg Kevlarweste und den 2kg Kamerahelm eingepackt hatte, um dennoch klar zu machen, was wirklich balla-balla sein bedeutet. Es sollte sich schmerzlich rächen…

Am Festzelt schon grosse Action, alle die nicht am Vortag die Startunterlagen geholt hatten, mussten in längerer Schlange warten. Zeit das Outfit fertig zusammenzubauen, Notfallverpflegung einzupacken und meine Streckenkamera noch irgendwo zu positionieren, leider nicht echt geschickt, aber dafür sind ja noch vier auf dem Helm. Irgendeine wird das Grauen schon auf SD-Karte bannen. Dann ging es gemeinsam zum etwas entfernten Startpunkt, Quads und Dudelsackspieler voran, die letzte Gelegenheit sich den Zuschauern in aller Frische zu präsentieren. Die Quote origineller Verkleidungen lag deutlich unter der beim Braveheart, die Ankündigung hatte die Spassläufer wohl doch eher abgeschreckt. Mit meinem eher militärisch als spassig anmutenden Ballagewand hatte ich einige Gesellschaft von aktiven und ehemaligen Soldaten, die mich wohl auf den ersten Metern gleich stehen lassen würde. Wirklich aus der Masse heraus stach nur CaBaNauT Lima, der im rosa TüTü auf einen vorderen Platz in der Damenwertung hoffte. Hatte ich erwähnt, dass es grob um den Gefrierpunkt hat?!

Der Start verlief etwas ungewohnt: in einer kurzen aber enorm breiten Reihe ging es los auf eine grosse Wiese, die gut 500 Starter liefen so quasi simultan los. Eine Nettozeitnahme ist so natürlich nicht möglich, aber die Distanz vom ersten zum letzten Starter betrug nur wenige Sekunden. Durch zum Start gezündeten farbigen Rauch, geht es über die Wiese direkt zu einer längeren Kriechstrecke und dann in den ersten Wassergraben – “nur” hüfttief, aber dank matschiger steiler Kante, allein kaum wieder zu verlassen. Zum Abtropfen folgte eine erste längere Laufstrecke, bis es in den ersten toughen Hammer ging.

Serpentinenlaufen auf und ab, das hatte es auch bei anderen Rennen schon gegeben. Aber Getting Tough hat hier klar einen drauf gelegt, ein sicher 10m tiefer Graben wurde unzählige Male quer durchlaufen, bis es echt keinen Spass mehr machte und dann noch paar mal. Hier verlor ich Lima aus den Augen, der im rosa Kleidchen den anderen Kerlen zeigte was wirklich tough ist, und weit vorne mit davon zog. Es folgte das gerüchteweise vorab gehörte und gefürchtete Reifenschleppen – aber die Reifen waren leichter als befürchtet und die Strecke konnte nach dem Serpentinengraben auch nicht mehr echt schocken. Immerhin sah’s tough aus…

Was dann folgte war der für einige unerwartete und zugleich tougheste und langweiligste Part – eine fast 20km Laufstrecke durch’s Gebirge. Steile und flachere Bergaufpassagen wechselten sich mit ebensolchen Abstiegen ab, bergauf machten mir die Beine deutlich zu verstehen, dass sie das mit der Kevlarweste und sonstigem unnötigen Gewicht gar nicht lustig fanden. Die idyllische Schneelandschaft auf 440m Höhe konnte ich kaum geniessen. Merke: schwere Ausrüstung macht schwere Beine. Vor allem auf schweren Strecken. Das Limit war erreicht, diese Passage war mein Untergang. Bergab konnte ich durch Nutzen der Hangabtriebskraft verbunden mit wagemutigen langen Schritten zwar immer wieder bergauf verlorene Plätze gut machen – musste aber immer an das Schild aus den USA denken: “Running Downhill is not tough – it’s stupid”. Und ich lernte zum ersten Mal so richtig, was es heisst wenn die Muskeln “zu” machen, wenn der Mann mit dem Hammer zuschlägt. Immerhin war ich noch grob gleich auf mit einigen, von denen ich annahm, dass sie mich längst abgehängt hätten. Sowohl der Bundespolizei Hamburg als auch der uniformierten Truppe aus Gera, die durchaus Bewunderung für meine Westenquälerei übrig hatten, begegnete ich immer wieder, aber es zeichnete sich ab – lange geht das nicht mehr gut.

Anwohner versorgen die Läufer mit eigenen GetränkenEin Grund für die Krämpfe in noch nie geahntem Ausmass war sicherlich die eher dünn gesähte Versorgung mit Getränken. Wenn nicht ein paar Anwohner – meine persönlichen Helden des Tages – aus privaten Vorräten Wasser und Saftschorle an die Strecke gereicht hätten, ich weiss nicht ob ich noch durchgehalten hätte. Das waren die angenehmen Seiten der Rückkehr in die Zivilisation, aber unvermeidbar näherte man sich so auch dem fatalen Finale, angekündigt durch den ersten Hindernisparcours. Eine ehemalige “Sturmbahn” der DDR Grenztruppen, zuletzt von der Bundespolizei genutzt. Nix für schlecht trainierte Zivilisten in viel zu militärischem Outfit, aber irgendwie zu schaffen. Zwischendrin die Feuerwehr die völlig tatenlos neben einem riesigen brennenden Haufen sonstwas stand – zum Glück waren wir grad von einem Wasserloch patschnass, so ging es drüber ohne Feuer zu fangen. Wobei ein bisschen mehr Aufwärmung so generell sicher nicht geschadet hätte.

Es folgte eine richtig matschige Kriechstrecke, um den in den Wasserlöchern eventuell aus der Kleidung gewaschenen Schlamm wieder nachzufüllen. Und kurz darauf zum warm werden eine Runde Sandsackschleppen – klinngt harmlos, war es aber nicht. Boah waren diese Säcke schwer, 15kg? 20kg? Auf jeden Fall zu viel. Und die Strecke zu lang. Unfair: Frauen durften nicht. Da hätte ich mich als Frau ja beschwert! Tough zweiter Klasse? Fast hätte ich mit dem Argument eine Dame überzeugt meinen Sandsack weiterzutragen, aber ich wollte das dann doch selber zu Ende bringen. Und war es dann auch. Glaube der Einzige, dem es am Ende dieser Runde noch einigermassen gut ging, war der Sandsack.

Willkommen im Freibad! Der grosse Angstmacher aus der Gerüchteküche näherte sich unaufhaltsam. “Vom 5m Brett in’s Eiswasser springen und dann 25m tauchen” hatte es per stiller Post im Vorfeld geheissen. Die Realität sah anders aus, aber bei eisigen Aussentemperaturen und nach einem 800 Höhenmeter Gebirgslauf wirkte der Gedanke überhaupt in dieses Wasser zu steigen nicht weniger irrsinnig. Quer durch’s Freibecken sollte es gehen, das Wasser brusthoch und Baumstämme im Wasser warteten drauf untertaucht zu werden. Doch die Streckenposten am Rand sagten “Nicht tauchen! Hat der Arzt gesagt!”. Fand ich das schade?! Ich war unsicher. Erstmal in’s Wasser. KALT. EISKALT. SCHEISSKALT. Aus dem Physikunterricht wusste ich, dass es so kaltes Wasser gar nicht geben kann. Rettungsschwimmer in Neoprenanzügen standen neben den Baumstämmen, und ich fragte nochmal was der Arzt denn nun gesagt hätte. Nur um zu erfahren: man DARF schon noch tauchen, man MUSS nur nicht. Das sind die Momente in denen jegliche Vernunft den Körper verlässt und irgendetwas die Kontrolle übernimmt, was sie nicht haben sollte. Ich ging zurück in die Beckenmitte und untertauchte unter Ausstossen eines Urschreis den letzten Stamm. Der Kopf erfror und das Gehirn zog sich auf die Grösse einer Erbse zusammen – mehr ist wohl auch nicht nötig um so einen Unfug zu machen. Schnell zur Leiter und irgendwie raus – ich griff sogar zu einer der gereichten Rettungsdecken und glaubte zumindest an den Placeboeffekt.

Teil Zwei des Grauens liess nicht auf sich warten: ein Wackelsteg aus Paletten über das nächste Becken. Wieder wohl irgendwie optional – und die Aussicht nochmal in’s Wasser zu geraten war nicht verlockend. Aber nach der Tauchaktion war klar, auch hier wird nicht gekniffen. Zumal das mal etwas völlig Neues war, dass ich so bei noch keinem Lauf gesehen hatte – eher in japanischen Fernsehshows. Und entsprechend wacklig war es auch, ich kam zwar trockenen FussesOberkörpers drüber, aber hab mir dabei wohl nen Zeh zerquetscht, was ich erst nach dem Rennen wirklich merken würde. Der sieht nicht mehr schön aus.

Ab hier war die Strecke wieder bekannt – es war der Weg den wir anfangs zum Start marschiert waren. Nun war klar – keine 1000m mehr bis zum furiosen Finale grande. Dem schon beim Start anstrengend wirkende Parcours auf der Wiese beim Festzelt war mit verkrampften schmerzenden Beinen nicht wirklich auf Augenhöhe zu begegnen, das war mir jetzt schon klar. Etwas Motivation gab die Gruppe Bravehearts aus dem InJoy Studio, bzw. die Tatsache dass diese toughe Gruppe erst hier wieder zu mir aufschloss. Sie hatten selber mit Krämpfen zu kämpfen, und waren ihrerseits erfreut den “toughen” Typen, der sogar mit Gewichtsweste antritt, einholen zu können. Gemeinsam abluschen ist eben doch noch am schönsten. So ging es als Leidensgemeinschaft in den finalen Parcours und wir halfen uns gegenseitig über die Hürden. Doch an der ersten Eskaladierwand war klar: ich muss sie ziehen lassen. Die Schmerzen. Ich musste fast eine Minute dehnen, um überhaupt irgendwie das Bein über die Wand heben zu können, und mehrere Reihen lagen noch vor uns.

Das Ende ist schnell erzählt: es war ein Untergang ungekannten Ausmasses. Ich quälte mich über ein Hindernis nach dem anderen – Dinge die in bisherigen Läufen nette bis anstrengende Spassdinge waren, wie Container, Kletternetze und Kriechstrecken, wurden zur Belastungsprobe. Klausi von den CaBanauten, den ich bei meinem Startspurt mit Lima hinter mir gelassen hatte, war inzwischen auch wieder da und leistete nach Kräften Motivationsarbeit. Ich sagte ihm er solle nicht wegen mir warten, aber das liess er sich nicht sagen und begleitete mich bis in’s Ziel – was nicht nur gefühlt eine Ewigkeit dauerte. Warmer Tee, einfach nur sitzen, fertig. So fertig war ich noch nie nach einem Lauf, nicht nach einem Marathon, nicht nach den 101km des 24h Rennens. Duschen, warme Sachen, allein die Hoffnung auf Wärme brachte mich dazu wieder aufzustehen.

Auf der After-Race-Party ging es mir wieder besser. Auch meine CaBa-Kollegen hatten den Lauf irgendwie überstanden, mussten aber früher oder später aufbrechen. Ich entschied mich zu bleiben und nochmal im InJoy zu nächtigen – jetzt noch weit fahren, nein, die Vernunft siegt. Und die Party war deutlich besser besucht als die vor dem Rennen, so dass man durchaus noch ein paar Stunden bleiben konnte. Was nichts daran ändert, dass die Tombola mehr oder weniger, wie ich es erwartet hatte, daran scheiterte, dass die meisten halt doch nicht mehr da waren – ähnlich hatten wir das schon beim Wolfsman Run gesehen. Da muss ein besseres Konzept gefunden werden, sonst zieht sich das zu sehr. Kalli von GT improvisierte, und so wurden teure Fahrräder letzendlich nicht per Los sondern über Liegestützwettbewerbe unter’s Volk gebracht.

Alles in allem muss man sagen, dass Getting Tough für eine Premiere da wirklich einen beeindruckenden Lauf hingelegt hat. Raffinierter Start und doch viele originelle Stationen – und quasi keine Staus. Die lange Laufstrecke in der Mitte gefiel einigen nicht so gut, andererseits können ja auch nicht alle solche Läufe nach genau dem gleichen Schema laufen. Schade für mich war, dass ich durch die wirklich ungewohnt starken und auf alle unmöglichen Muskeln verteilten Krämpfe das aufwändige Ende nicht mehr geniessen konnte – so ging es wohl Einigen. Etwas weniger Gebirge hätte da wohl geholfen – sicher, dann wäre es weniger tough, aber wenn man die Härte einfach durch das Geländeprofil erreichen will, kann man auch nen Zugspitzmarathon laufen. Ebenso müssen mehr und bessere Verpflegungsstationen her – zu wenig trinken hat mit tough sein nix zu tun, wäre das klar gewesen, hätte ich selber was mitgenommen. Und zu wenige Plastikbecher, so dass die hinteren Läufer nacheinander aus der gleichen Flasche trinken müssen, geht eigentlich mal gar nicht – hab aber sicher mindestens so viel Herpes verteilt wie bekommen, dann passt das wieder. Aber allen die über die Temperaturen jammern kann ich nur sagen: zieht euch halt was an! Nackt laufen und dann frieren, das ist nicht tough, das ist schlecht vorbereitet.

Nächstes Jahr – auweia, irgendwie sehe ich es kommen, dass ich mir das nochmal antue. Vielleicht kommen sogar weitere Ballas mit. Und vielleicht trainier ich dann auch mal vorher. Auf jeden Fall ein Lauf, den man auf dem Radar behalten sollte. Etwas mehr Informationsfluss im Vorfeld würde ich mir für die nächste Auflage wünschen – und bitte nicht nur über Facebook. Morgen geht es hier erstmal gemütlich winterlaufen in Ismaning. Bei -2 Grad. Verfolgt von Powerlizzy, die in ungeahnten Tempodimensionen bei einem lockeren Spasslauf meinen geschundenen Beinen davonziehen wird, oder so…

 
 
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